Ehemaliges Zuchthaus und Konzentrationslager Sonnenburg
Słońsk, das ehemalige Sonnenburg, ist ein Ort mit einer tragischen Vergangenheit. Zwischen 1933 und 1934 befand sich hier das erste deutsche Konzentrationslager und später ein Gefängnis. Bis heute ist die vollständige Liste der in Sonnenburg inhaftierten und ermordeten Personen unbekannt.
Eines der schmerzlichsten Kapitel in der Geschichte von Słońsk (bis 1945 Sonnenburg) war die Zeit des Gefängnisses und Konzentrationslagers. Während der Weimarer Republik diente das Gefängnis Sonnenburg als Zuchthaus für viele politische Aktivisten. Nach Hitlers Machtergreifung wurde es zum ersten deutschen Konzentrationslager, in dem Gegner des NS-Regimes brutal unterdrückt wurden. Die Häftlinge wurden psychisch und physisch misshandelt und der Ort wurde bald als „Folterhölle“ bekannt. Einer der bekanntesten Häftlinge war Carl von Ossietzky, ein deutscher Journalist, Friedensnobelpreisträger und Oppositioneller. Nachdem die Einrichtung mehr als ein Jahr lang als Konzentrationslager betrieben worden war, wurde sie wieder zu einem Gefängnis, das noch jahrelang ein Ort der Hinrichtung und des Leids für Gegner des Naziregimes war. Das tragischste Ereignis fand in der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1945 statt, als ein Kommando von SS-Männern aus Frankfurt/Oder die Massenexekution von 819 Häftlingen verschiedener Nationalitäten durchführte. Unter den Ermordeten befanden sich Vertreter vieler Nationalitäten: Franzosen, Belgier, Deutsche, Niederländer, Norweger, Luxemburger und andere. Das Massaker begann gegen 22 Uhr und dauerte die ganze Nacht hindurch. Jeweils zehn Personen wurden aus ihren Zellen geführt und zwischen der Gefängnismauer und dem Werkstattgebäude erschossen.
1973 beschloss eine kleine Gruppe von Einwohnern von Słońsk, ein Museum und ein Mahnmal zu errichten, um der Opfer von Sonnenburg zu gedenken und vor einer Wiederholung dieser schrecklichen Geschichte zu warnen. Die offizielle Einweihung des Museums des Martyriums fand am 28. September 1974 statt. Das Gedenken an die Opfer dieser Ereignisse wird nicht nur durch den Betrieb des Museums, sondern auch durch die von der Gemeinde Słońsk alljährlich am Jahrestag der Tragödie organisierten Gedenkveranstaltungen aufrechterhalten. An den Erinnerungsveranstaltungen nehmen Familienangehörige von Häftlingen, Vertreter der Behörden und Delegationen aus Polen, Deutschland, Luxemburg und anderen Ländern teil, deren Bürger in Sonnenburg ums Leben kamen. Das Programm der Gedenkfeiern umfasst Veranstaltungen im Martyriumsmuseum und auf dem Friedhof der Opfer der Gefangenschaft im Konzentrationslager und Gefängnis Sonnenburg, eine Messe sowie ein Treffen zur Entwicklung einer gemeinsamen historischen Erinnerungskultur und europäischen Identität. Diese Veranstaltungen sind auch ein wichtiges Element der deutsch-polnischen Verständigungen und tragen dazu bei, das Interesse an der Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu wecken, insbesondere bei der jüngeren Generation.
Die Geschichte des ehemaligen KZ-Sonnenburg als Hörbeitrag (Sprache: Deutsch)

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