Die Region. Die Ereignisse. Die Menschen.
Die Geschichtsstation Seelow (Mark) dokumentiert mit authentischen Ausstellungsstücken und biografischen Details den Wandel der Region im Laufe eines Generationszeitraums und bietet so einen anschaulichen Einblick in ihre bewegte Geschichte.
Mit dem Ende der Weimarer Republik 1933 begann die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Die Nationalsozialisten übten zunehmend Einfluss auf das öffentliche Leben aus. Die Verfolgung Andersdenkender, die Unterdrückung politischer Gegner
und die Integration der Jugend in die NS-Strukturen prägten das Bild der Region. Die Aufrüstung und die Zwangsarbeit in der Region nahmen ab Mitte der 1930er Jahre immer mehr zu. Ab 1939, mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, veränderte sich das Bild der Region dramatisch. Begleitet durch Zwangs- und KZ-Arbeit wurde die regionale Produktion auf kriegswichtige Erzeugnisse
umgestellt, Militärzüge, Deportations- und Kriegsgefangenentransporte querten das Land in beiden Richtungen.
Auf dem Weg nach Berlin brachte die Rote Armee den Krieg mit voller Wucht in die Oder-Warthe Region. Die Schlacht um die
Seelower Höhen, eine der letzten großen Schlachten des Krieges, tobte um Seelow und war ein entscheidender Moment auf dem Weg zur Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft. Das Ende des Zweiten Weltkriegs markierte weitere dramatische Veränderungen für die Region als Teil der neuen sowjetischen Besatzungszone. Die Westverschiebung Polens an die Oder-Neiße Grenze führte zu Vertreibung und Zwangsmigration von Millionen Menschen, sie schuf eine neue physische Landesgrenze sowie eine Sprachbarriere. Politische und gesellschaftliche Strukturen mussten sich neu formieren. Der damit einhergehende Kulturverlust wirkt bis heute nach.
Der Wiederaufbau der zerstörten Städte und Dörfer und die Umsetzung der Bodenreform, bei der Großgrundbesitz enteignet und unter den Bauern verteilt wurde, veränderten das wirtschaftliche Gefüge der Region nachhaltig. Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik 1949 als sozialistischer Staat brachte weitere Veränderungen mit sich. Landwirtschaftliche
Produktionsgenossenschaften (LPG) wurden gegründet, die die Struktur der ländlichen Wirtschaft prägten. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 war ein wichtiges Symbol für die Teilung Deutschlands und Europas geschaffen worden.
Auch wenn das politische Leben in der DDR durch die sozialistische Ordnung vorgegeben war, blieben die historischen Spuren
in der Region sichtbar – von den Kriegszerstörungen bis hin zur politischen Repression. Heute ist die Oder-Warthe-Region ein Ort des Gedenkens, des Dialogs und des Wandels. Als multiperspektivische Erinnerungslandschaft macht sie die dramatischen Ereignisse des Jahrhunderts erlebbar und erzählt vom schwierigen Weg von Zerstörung, Teilung, Vertreibung und Wiederaufbau, hin zu einem Neuanfang nach dem Ende des Kalten Krieges.
Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag (Sprache: Deutsch)

Schreibe einen Kommentar