MUSEUM OF THE KÜSTRIN FORTRESS

Einzigartiges Flächendenkmal an der Oder

Die preußische Festung Küstrin entstand Mitte des 16. Jahrhunderts und war mit sechs Bastionen eine der größten europäischen Stadtfestungen ihrer Zeit. Sie wurde bis 1887 stetig ausgebaut und um vier Außenforts ergänzt: Gorgast, Zorndorf (Sarbinowo), Säpzig (Zabice) und Tschernow (Czarnow). Aufgrund der weiterentwickelten Waffentechnologie war die Festung kurz darauf technisch überholt und die militärische Funktion wurde aufgegeben.

Im Januar 1945 rückte die Rote Armee mit großem Geländegewinn von Osten vor und trieb Flüchtlinge sowie zersprengte Einheiten der Wehrmacht vor sich her. Küstrin war ein wichtiges Ziel an der Oder, weil über die Brücken eine Eisenbahnlinie und eine Chaussee direkt nach Berlin führten. Die Deutschen erklärten indes Küstrin erneut zur Festung, ergänzten notdürftig die historischen Verteidigungsanlagen mit Hindernissen und Feldbefestigungen und stellten eine Garnison von etwa 10.000 Mann zusammen, die den Feind bei der Einnahme der Stadt und der Besetzung der Brücken so lange wie möglich aufhalten sollte.

Am 31. Januar erreichten erste Einheiten der Roten Armee Küstrin. In den folgenden Wochen wurden unter heftigem deutschem Widerstand Brückenköpfe errichtet und die Stadt bis auf einen kleinen Korridor abgeriegelt. Sie konnte jedoch nicht eingenommen werden. Am 6. März begann die Rote Armee einen simultanen Angriff von mehreren Seiten, der zur vollständigen Beseitigung der Verteidigung führen sollte. Am 12. März wurde die Küstriner Neustadt erobert. Am 22. März gelang es, die sowjetischen Brückenköpfe zusammenzuführen und die Festung Küstrin vom Nachschub abzuschneiden. Deutsche Entsatz-Versuche blieben erfolglos, woran auch eine persönliche Intervention Hitlers nichts mehr ändern konnte. Ab 24. März wurde die Altstadt so stark bombardiert, dass kein Gebäude überlebte. Erst am 30. März wurde die Festung schließlich eingenommen und Ersatzbrücken für Verkehr und Eisenbahn gebaut. Bereits am April 1945 rollte der erste Zug über die Brücken in Richtung Berlin.

Auf der westlichen Oderseite nutzten die deutschen Truppen die Zeit, um ihre Verteidigungsstellungen an den rund 10 km entfernten Seelower Höhen auszubauen. Dort fand von 16. bis 19. April 1945 die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkrieges statt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazideutschland und die Staatsgrenzen in Europa wurden neu gezogen. Durch die Westverschiebung Polens wurde Küstrin zu Kostrzyn nad Odrą. Die Neustadt wurde wieder aufgebaut. Das Gelände der Altstadt blieb im neuen deutsch-polnischen Grenzgebiet sich selbst überlassen und geriet fast 50 Jahre „in Vergessenheit“. Erst 1994 wurde begonnen, einige Bereiche der Festung zu erschließen, unter den Erdaufschüttungen kamen Ruinen alter Häuser, gepflasterte Straßen und Gehwege zum Vorschein. Heute ist das Museum der Festung Küstrin in Kostrzyn nad Odrą ein einzigartiges Flächendenkmal, auch bekannt als das „Pompeji an der Oder“. Es mahnt eindrucksvoll vor Krieg und seinen Folgen. Ausstellungen erzählen die Geschichte der Festung und Informationstafeln helfen beim Rundgang durch die ehemalige Küstriner Altstadt.


Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945



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