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  • Militärisches Erbe und Kulturlandschaft: Ergebnisse des Fachworkshops in Kostrzyn nad Odrą

    Militärisches Erbe und Kulturlandschaft: Ergebnisse des Fachworkshops in Kostrzyn nad Odrą

    Projekt „Kulturland Spuren Lebus“

    Am 20. Mai 2026 kamen deutsche und polnische Fachkräfte, Kommunalvertreter sowie Experten im Festungsmuseum der Festung Küstrin (Kostrzyn nad Odrą) zusammen. Der deutsch-polnische Fachworkshop widmete sich dem Thema „Gestaltung der Kulturlandschaft für militärische Zwecke“ beziehungsweise dem Einfluss des Militärs auf die Entwicklung der Kulturlandschaft. Die Veranstaltung fand im Rahmen des EU-Projekts „Kulturland Spuren Lebus / Kulturowe Ślady Ziemi Lubuskiej“ (Interreg VI A Brandenburg–Polska 2021–2027) statt.

    Die Ziele: Inwertsetzung des Festungserbes für den grenzübergreifenden Tourismus

    Das zentrale Ziel des Workshops lag darin, den historischen Einfluss des Militärs auf die Entstehung und Transformation der gemeinsamen Kulturlandschaft am konkreten Beispiel der Festung Küstrin zu analysieren. Gleichzeitig diente die Fachtagung dazu, Strategien für die Umnutzung und nachhaltige Verwertung ehemaliger Befestigungsanlagen für einen grenzübergreifenden, inklusiven Natur- und Bildungstourismus zu entwickeln und den fachlichen Austausch zwischen Brandenburg und der Woiwodschaft Lebus zu vertiefen.

    Fachbeiträge und Perspektiven

    Die Vorträge in den restaurierten Kasematten der Bastion Philipp beleuchteten das Festungserbe aus europäischer, regionaler und architektonischer Sicht:

    • Europäischer Rahmen & Projektkontext: Nach der Begrüßung durch die Stadt Kostrzyn nad Odrą und die Museumsdirektorin Julianna Sójkowska-Socha gab Dirk Röder (Gemeinde Słońsk) einen Überblick über das Gesamtprojekt. Zudem stellte er die Arbeit des Netzwerks FORTE CULTURA e.V. vor, das die Europäische Kulturroute der Festungsdenkmäler mit aktuell 81 Stationen in 17 Ländern betreut, und erläuterte Konzepte zur Umgestaltung militärischer Monumente in touristische und Bildungsorte.
    • Einfluss des Militärs auf die Entwicklung der Kulturlandschaft am Beispiel der Festung Küstrin: Dirk Röder skizzierte, welche Einflüsse das Militär auf die Entwicklung der Kulturlandschaft gehabt haben könnte – insbesondere in den Bereichen Festungsbau (Rohstoffe zum Bau, Unterhalt und Ausbau der Festung Küstrin, inklusive Militärequipment), Nahrung (Langjährige Versorgung von Truppen und Dienstpersonal) und Ausrüstung (Militärische Ausrüstung für stationierte Truppen und als Einsatzreserve). Er warf die Fragen auf: Welches Einzugsgebiet hatte die Festung Küstrin über viele Jahrhunderte? Welche Ressourcen wurden aus der direkten Umgebung genutzt bzw. überregional importiert? Welche „Spuren“ sind davon heute noch sichtbar und können erlebbar gemacht werden?
    • Geschichte der Festung Küstrin: Julianna Sójkowska-Socha zeichnete die Entwicklung der Festung vom 15. bis zum 20. Jahrhundert nach. Sie hob wichtige Etappen hervor – darunter den Bau der modernen Bastionsbefestigung nach italienischem Vorbild unter Ingenieur Francesco Chiaramella ab 1559 sowie die strategische Rolle der Festung im Zweiten Weltkrieg.
    • Kommunale Revitalisierung: Agnieszka Żurawska-Tatała von der Stadtverwaltung Kostrzyn nad Odrą präsentierte konkrete Erschließungs- und Revitalisierungsprojekte der Stadt. Sie zeigte auf, wie historische Bastionen für kulturelle Zwecke umgenutzt und als identitätsstiftendes Element in die lokale Entwicklungsstrategie eingebunden werden.
    • Festungsbau, Rayonzonen & Ressourcenmanagement: Der Festungsexperte Marcin Wichrowski erläuterte die bauliche Evolution von den ersten Erd-Holz-Befestigungen über französische Modernisierungen im 17. und 18. Jahrhundert (z. B. Hornwerk, Ravelins, Contregarde) bis hin zu den räumlichen Vorgaben. Rund um die Festung wurden sogenannte Rayonzonen (Servitutsgebiete) eingerichtet, deren Nutzung und Bebauung strengen militärischen Vorschriften unterlag.

    Praktischer Teil und Gesamtergebnis

    Zum Abschluss der Veranstaltung besichtigten die Teilnehmenden bei einem gemeinsamen Rundgang die erhaltenen Festungsstrukturen, Bastionen und Kasematten der Festung Küstrin.

    Der Workshop verband theoretische Erkenntnisse der Militärarchitektur und Raumplanung mit praktischen Konzepten der Denkmalpflege und Regionalentwicklung. Das erarbeitete Wissen fließt direkt in die Ausgestaltung der grenzüberschreitenden Bildungs- und Erlebnisroute „Kulturland Spuren Lebus“ ein, die historische Stätten beiderseits von Oder und Warthe miteinander vernetzt.

  • Villa Wagener, Kostrzyn nad Odra

    Villa Wagener, Kostrzyn nad Odra

    Die Villa Wagener ist eine ehemalige Fabrikantenvilla, erbaut im Küstrin des 19. Jh. durch die Familie Wagener (Maschinen-, Dampfkessel-, Kupferfabrik Cüstrin-Neustadt). Sie überstand das schwere Bombardement der Roten Armee im Frühjahr 1945 als eines von sehr wenigen Gebäuden und wurde anschließend als Verwaltungssitz der sowjetischen Besatzer und später der Stadt Kostrzyn nad Odrą genutzt.

    Seit 2006 leerstehend, wurde es nun zu einem modernen deutsch-polnischen Kommunikations- und Kreativzentrum umgestaltet.

  • MUSEUM DER FESTUNG KÜSTRIN

    MUSEUM DER FESTUNG KÜSTRIN

    Einzigartiges Flächendenkmal an der Oder

    Die preußische Festung Küstrin entstand Mitte des 16. Jahrhunderts und war mit sechs Bastionen eine der größten europäischen Stadtfestungen ihrer Zeit. Sie wurde bis 1887 stetig ausgebaut und um vier Außenforts ergänzt: Gorgast, Zorndorf (Sarbinowo), Säpzig (Zabice) und Tschernow (Czarnow). Aufgrund der weiterentwickelten Waffentechnologie war die Festung kurz darauf technisch überholt und die militärische Funktion wurde aufgegeben.

    Im Januar 1945 rückte die Rote Armee mit großem Geländegewinn von Osten vor und trieb Flüchtlinge sowie zersprengte Einheiten der Wehrmacht vor sich her. Küstrin war ein wichtiges Ziel an der Oder, weil über die Brücken eine Eisenbahnlinie und eine Chaussee direkt nach Berlin führten. Die Deutschen erklärten indes Küstrin erneut zur Festung, ergänzten notdürftig die historischen Verteidigungsanlagen mit Hindernissen und Feldbefestigungen und stellten eine Garnison von etwa 10.000 Mann zusammen, die den Feind bei der Einnahme der Stadt und der Besetzung der Brücken so lange wie möglich aufhalten sollte.

    Am 31. Januar erreichten erste Einheiten der Roten Armee Küstrin. In den folgenden Wochen wurden unter heftigem deutschem Widerstand Brückenköpfe errichtet und die Stadt bis auf einen kleinen Korridor abgeriegelt. Sie konnte jedoch nicht eingenommen werden. Am 6. März begann die Rote Armee einen simultanen Angriff von mehreren Seiten, der zur vollständigen Beseitigung der Verteidigung führen sollte. Am 12. März wurde die Küstriner Neustadt erobert. Am 22. März gelang es, die sowjetischen Brückenköpfe zusammenzuführen und die Festung Küstrin vom Nachschub abzuschneiden. Deutsche Entsatz-Versuche blieben erfolglos, woran auch eine persönliche Intervention Hitlers nichts mehr ändern konnte. Ab 24. März wurde die Altstadt so stark bombardiert, dass kein Gebäude überlebte. Erst am 30. März wurde die Festung schließlich eingenommen und Ersatzbrücken für Verkehr und Eisenbahn gebaut. Bereits am April 1945 rollte der erste Zug über die Brücken in Richtung Berlin.

    Auf der westlichen Oderseite nutzten die deutschen Truppen die Zeit, um ihre Verteidigungsstellungen an den rund 10 km entfernten Seelower Höhen auszubauen. Dort fand von 16. bis 19. April 1945 die letzte große Schlacht des Zweiten Weltkrieges statt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Nazideutschland und die Staatsgrenzen in Europa wurden neu gezogen. Durch die Westverschiebung Polens wurde Küstrin zu Kostrzyn nad Odrą. Die Neustadt wurde wieder aufgebaut. Das Gelände der Altstadt blieb im neuen deutsch-polnischen Grenzgebiet sich selbst überlassen und geriet fast 50 Jahre „in Vergessenheit“. Erst 1994 wurde begonnen, einige Bereiche der Festung zu erschließen, unter den Erdaufschüttungen kamen Ruinen alter Häuser, gepflasterte Straßen und Gehwege zum Vorschein. Heute ist das Museum der Festung Küstrin in Kostrzyn nad Odrą ein einzigartiges Flächendenkmal, auch bekannt als das „Pompeji an der Oder“. Es mahnt eindrucksvoll vor Krieg und seinen Folgen. Ausstellungen erzählen die Geschichte der Festung und Informationstafeln helfen beim Rundgang durch die ehemalige Küstriner Altstadt.

    Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag
    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945