Vernetzung von dt.-pol. Erinnerungsorten für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, insbesondere NS-Krankenmorde; Entwicklung von Angeboten für Bildungs- und Erinnerungstourismus
Interreg VI A Förderprojekt 2026-2028
Das Projekt befasst sich mit der Aufarbeitung, Sichtbarmachung und Vernetzung der „Geschichte der NS-Krankenmorde“ in Międzyrzecz, Berlin und Ueckermünde sowie der „Spuren jüdischen Lebens“ in Seelow, Międzyrzecz, Berlin und Ueckermünde.
In grenzübergreifender Kooperation werden bei den Projektpartnern überregional bedeutsame Erinnerungsorte revitalisiert bzw. neu etabliert, mit digitalen Ausstellungen ausgestattet und thematisch untereinander vernetzt. Neben nachhaltigen Investitionen in den Ausbau der Erinnerungsorte, ist die Entwicklung von grenzübergreifenden bildungstouristischen Angeboten ein Projektschwerpunkt, mit inklusiven Elementen und unter Einbezug relevanter Zielgruppen.
Erwartet werden ein besserer Zugang zu den beteiligten Erinnerungsorten und damit zur gemeinsamen Geschichte der deutsch-polnischen Grenzregion, welche im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Westverschiebung Polens einzigartig ist.
Wesentliche Projektoutputs
„Geschichte der NS-Krankenmorde“
- Grenzübergreifende Maßnahmen zum Wissensaustausch und zur Netzwerkbildung,
- Revitalisierung des Friedhofs und der Gedenkstätte Międzyrzecz-Obrzyce,
- Konzeption und Errichtung eines Besinnungsgarten auf dem Klinikgelände Międzyrzecz-
Obrzyce im Rahmen eines dt.-pol. Jugendprojekts mit Auszubildenden von Garten- und Landschaftsbetrieben aus Berlin und Międzyrzecz,
Entwicklung einer Ausstellung zur Geschichte der NS-Krankenmorde in Ueckermünde im AMEOS Klinikum, - Entwicklung und Verknüpfung von neuen und bestehenden digitalen Ausstellungen zur Geschichte der NS-Krankenmorde in Międzyrzecz-Obrzyce und Ueckermünde, polnische Übersetzung und Verknüpfung der Ausstellung „totgeschwiegen“ in Berlin,
- Entwicklung zielgruppenorientierter Module für Bildungstourismus zur Geschichte der NS-Krankenmorde bei den Projektpartnern, inhaltlich vernetzt und zur grenzübergreifenden Vermarktung.
„Spuren jüdischen Lebens“
- Grenzübergreifende Maßnahmen zum Wissensaustausch und zur Netzwerkbildung,
- Errichtung eines neuen Erinnerungs- und Begegnungsortes „ehemaliger jüdischer Friedhof Seelow“ am früheren Originalstandort,
- Entwicklung von vier Rundwegen mit digitalen Elementen zu Spuren jüdischen Lebens in Seelow, Międzyrzecz, Ueckermünde und Berlin-Charlottenburg,
- Entwicklung zielgruppenorientierte Module für Bildungstourismus zu Spuren jüdischen Lebens bei den Projektpartnern, inhaltlich vernetzt und zur grenzübergreifenden Vermarktung.
Damit begegnet das Projekt der gemeinsamen Herausforderung, den gegenseitigen Zugang zum Kulturerbe und zu den touristischen und kulturellen Angeboten im Fördergebiet zu verbessern und die Möglichkeiten zu nutzen, die Kultur und Tourismus zum Ausbau der grenzüberschreitenden Verflechtungen bieten.
Das Netzwerk „Erinnerung verbindet“ bietet einen geeigneten Rahmen für die Vernetzung und Verbreitung der neuen bildungstouristischen Angebote des Projekts. Das Projekt greift die Strategie der multiperspektivischen Erinnerungslandschaft Oder-Warthe auf und verdichtet das grenzübergreifende bildungstouristische Angebot für die bedeutsame Epoche des Zweiten Weltkriegs in der Region.
Historischer Kontext
Der grenzübergreifende Ansatz und die Notwendigkeit der Einbindung von Partnern außerhalb des Fördergebiets ergeben sich aus der Verteilung und Rolle der NS-Täterorte im ehemaligen Reichsgebiet. Menschen mit geistigen Behinderungen wurden in der ehemaligen Klinik in Berlin isoliert, selektiert und zur Tötung unter anderem in die Heilanstalt nach Meseritz-Obrawalde deportiert, wo etwa 10.000 Menschen ermordet wurden. In der Landesheilanstalt Ueckermünde wurde erstmals ein Krematorium zur Vernichtung von NS-Opfern auf einem Klinikgelände errichtet und erprobt. Im Benehmen mit der geringen Anzahl und Verteilung heutiger Erinnerungsstätten zum Komplex der NS-Krankenmorde entsteht der Bedarf, bisher ungenutzte Potenziale der Erinnerungsarbeit (Międzyrzecz, Ueckermünde) zu heben und die Geschichte im Zusammenhang erlebbar zu machen.
Die Bewahrung der Spuren jüdischen Lebens ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe der dt.-pol. Erinnerungsarbeit. Juden waren immer wieder Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt, zuletzt während der NS-Zeit, als die Nationalsozialisten die systematische Vertreibung und Vernichtung der gesamten jüdischen Bevölkerung betrieben.
Die zwangsweisen Bevölkerungswanderungen im Zusammenhang mit der Westverschiebung Polens sowie politisch-ideologisch gesteuerte Erinnerungskulturen in der ehemaligen DDR und der VR-Polen führten zur Vernachlässigung vieler jüdischer Orte wie Friedhöfe und Synagogen. Es entsteht der Bedarf, Spuren zu erhalten und die Geschichte grenzübergreifend erlebbar zu machen. Dabei werden vorhandenes Wissen und Erfahrungen der Projektpartner sowie Standorte und Netzwerke außerhalb des Fördergebiets genutzt und inhaltlich verknüpft, um positive Effekte im Fördergebiet zu erzielen.
Projektpartner
- Gemeinde Międzyrzecz (Lead Partner)
- Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie, Abteilung für Geodäsie, Immobilienmanagement und Raumplanung – Unterabteilung für Raumplanung
- Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
- Stadt Seelow (Mark)
- Stadt Seebad Ueckermünde
- Universitätsmedizin Rostock
- Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde (assoziierter Partner)
Projektlaufzeit: 01.01.2026 – 31.12.2028





















