Autor: Dirk R

  • Oder-Warthe InfoNet: Grenzenlos informieren, gemeinsam entdecken

    Oder-Warthe InfoNet: Grenzenlos informieren, gemeinsam entdecken

    Die Oder-Warthe Region verbindet außergewöhnliche Naturerlebnisse, lebendige Kultur und eine vielschichtige deutsch-polnische Geschichte. Mit dem Projekt „Oder-Warthe InfoNet“ werden touristische Informationen grenzübergreifend gebündelt, mehrsprachig zugänglich gemacht und analog wie digital besser miteinander vernetzt.

    Das Projekt auf einen Blick

    • Laufzeit: September 2026 bis Juni 2029
    • Gesamtbudget: 1.620.713,00 Euro
    • Förderung: 1.296.570,37 Euro
    • Lead Partner: Stadt Seelow (Mark)
    • Region: deutsch-polnischer Grenzraum an Oder und Warthe

    Ein Informationsnetz für die gesamte Region

    Viele Sehenswürdigkeiten, Erinnerungsorte sowie Rad- und Wasserwege sind bislang nicht ausreichend miteinander verbunden oder digital sichtbar. „Oder-Warthe InfoNet“ führt diese Angebote unter der Tourismusmarke „Erinnerung verbindet“ zusammen. Neue und modernisierte Informationspunkte, interaktive Leitsysteme und digitale Anwendungen sorgen dafür, dass Gäste verlässliche, aktuelle und mehrsprachige Informationen einfacher finden.

    Was entsteht?

    • Vernetzte Tourist-Informationen: In Seelow, Międzyrzecz, Letschin, Kostrzyn nad Odrą, Słońsk und Santok werden Informationsangebote neu geschaffen oder modernisiert.
    • Stärkere touristische Knotenpunkte: Marinas, Rad- und Wasserwege sowie Natur- und Kulturangebote werden besser erschlossen und gemeinsam präsentiert.
    • Digitale Sichtbarkeit: Einheitlich strukturierte Inhalte verbessern die Auffindbarkeit auf Webseiten, in Apps, auf Plattformen und in KI-gestützten Such- und Empfehlungssystemen.
    • Gemeinsame Standards: Deutsch-polnische Fachworkshops entwickeln Leitfäden für Tourismusmanagement, Vermarktung, Monitoring, Nachhaltigkeit und Inklusion.

    Die Region gemeinsam erleben

    Historische Themenrouten und touristische Wege enden nicht an der Grenze. Deshalb entwickeln die Projektpartner gemeinsame Inhalte, Qualitätsstandards und Vermarktungsinstrumente. Tourismustage, ein Hafenfest und Veranstaltungen zum World River Day laden Gäste und Einheimische dazu ein, neue Angebote beiderseits von Oder und Warthe kennenzulernen.

    Nutzen für Gäste und Region

    Von „Oder-Warthe InfoNet“ profitieren Reisende, Bewohnerinnen und Bewohner, kulturelle Einrichtungen, Kommunen, Tourismusorganisationen und lokale Unternehmen. Besser zugängliche Informationen, attraktive Anlaufpunkte und eine starke gemeinsame Marke sollen Aufenthalte verlängern, nachhaltige Mobilität unterstützen, regionale Wertschöpfung fördern und das Bewusstsein für das gemeinsame kulturelle Erbe stärken.

    Gemeinsam für eine sichtbare Oder-Warthe Region

    Das Projekt schafft ein dauerhaftes deutsch-polnisches Informationsnetz, das physische und digitale Angebote verbindet und die Oder-Warthe Region als moderne, inklusive und geschichtsbewusste Tourismusdestination positioniert.

    Kontakt

    Stadt Seelow (Mark)
    Stabstelle Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung
    Telefon: +49 3346 8551990
    E-Mail: interregseelow@web.de
    Weitere Informationen: www.erinnerung-verbindet.eu


    Projektveranstaltungen

    Gruppe von Projektpartnern vor dem Eingang des Schweizerhaus Seelow; sonnig, Pergola, Haus, Menschen, Banner mit Förderlogo

    Gemeinsam vernetzt: Kick-off für Oder-Warthe InfoNet, Seelow

    Oktober 4, 2026

    Mit der deutsch-polnischen Kick-off-Konferenz im Schweizerhaus Seelow ist am 23. September 2026 das Projekt „Oder-Warthe InfoNet“ offiziell in die gemeinsame Arbeitsphase gestartet. Rund 30 Teilnehmende aus den beteiligten Kommunen, Tourismusorganisationen und Verwaltungen kamen zusammen, um Ziele, Standorte und nächste Schritte für eine moderne, grenzüberschreitende Informationslandschaft abzustimmen.


  • Gemeinsam vernetzt: Kick-off für Oder-Warthe InfoNet, Seelow

    Gemeinsam vernetzt: Kick-off für Oder-Warthe InfoNet, Seelow

    Mit der deutsch-polnischen Kick-off-Konferenz im Schweizerhaus Seelow ist am 23. September 2026 das Projekt „Oder-Warthe InfoNet“ offiziell in die gemeinsame Arbeitsphase gestartet. Rund 30 Teilnehmende aus den beteiligten Kommunen, Tourismusorganisationen und Verwaltungen kamen zusammen, um Ziele, Standorte und nächste Schritte für eine moderne, grenzüberschreitende Informationslandschaft abzustimmen.

    Die Oder-Warthe-Region verbindet eine außergewöhnliche Vielfalt an Kultur- und Naturlandschaften, Erinnerungsorten sowie Rad- und Wasserwegen. Bislang sind viele dieser Angebote jedoch nur unzureichend miteinander verknüpft, nicht durchgehend mehrsprachig aufbereitet oder digital schwer auffindbar. Genau hier setzt das Projekt an: Tourist-Informationen und Informationspunkte sollen ausgebaut, bestehende Angebote besser miteinander verbunden und durch digitale Anwendungen ergänzt werden. So soll die Region für Gäste leichter zugänglich und als gemeinsames deutsch-polnisches Reiseziel sichtbarer werden.

    Ein gemeinsames Ziel für die Region

    Seelows Bürgermeister Robert Nitz eröffnete die Konferenz und betonte das gemeinsame Anliegen, Kultur-, Natur- und Erinnerungsorte ebenso wie Rad- und Wasserwege über die Grenze hinweg besser erlebbar zu machen. Analoge und digitale Informationsangebote – einschließlich verantwortungsvoll eingesetzter KI-Anwendungen – sollen auf verlässlichen, fachlich fundierten und multiperspektivischen Inhalten beruhen. Die Erfahrungen der deutschen und polnischen Partner bilden dabei eine wichtige Grundlage, um sprachliche, digitale und praktische Barrieren abzubauen.

    Projektleiter Dirk Röder stellte die fachlichen Grundlagen und die Entwicklung der Dachmarke „Erinnerung verbindet“ vor. Diese versteht die Oder-Warthe-Region als gemeinsamen Kultur-, Erinnerungs- und Begegnungsraum, in dem unterschiedliche deutsche und polnische Perspektiven sichtbar werden. Rund 200 Erinnerungsorte sowie bereits entwickelte Themenrouten – unter anderem zu den Kriegsereignissen von 1945, jüdischem Leben, den NS-Krankenmorden, den Johannitern und dem Festungserbe – bilden eine starke inhaltliche Basis. Das Oder-Warthe InfoNet soll diese Angebote aus dem Projektstatus in eine dauerhaft vernetzte, mehrsprachige und zeitgemäße touristische Kommunikation überführen.

    Konkrete Vorhaben an vielen Standorten

    Die Präsentationen der Projektpartner machten deutlich, wie vielfältig die geplanten Maßnahmen sind. Seelow übernimmt als Lead Partner die Gesamtkoordination, entwickelt die Tourist-Information weiter und erneuert touristische Informationssysteme. Międzyrzecz plant eine ganzjährig geöffnete, modernisierte Tourist-Information, eine dreisprachige Rad- und Wasserwanderkarte sowie 50 Informationstafeln mit QR- und NFC-Technik. In Letschin stehen die Marina Kienitz, die Tourist-Info und die Verknüpfung von Rad- und Wassertourismus im Mittelpunkt.

    Kostrzyn nad Odrą richtet auf dem Festungsgelände eine neue Tourist-Information ein, vernetzt Rad- und Wasserwege digital und modernisiert die Marina DELFIN. Słońsk bündelt Informationen zu seinen Natur-, Kultur- und Erinnerungsorten in digitalen Angeboten und plant an der Schlossruine eine Infostele. Santok schafft eine neue Tourist-Information und entwickelt die Marina zu einem modernen Knotenpunkt für Rad- und Wassertourismus. Der Tourismusverband Seenland Oder-Spree bringt seine Erfahrung in Markenentwicklung, Datenmanagement und digitaler Gästekommunikation ein; der Landkreis Märkisch-Oderland unterstützt als assoziierter Partner insbesondere bei Beschilderung und Öffentlichkeitsarbeit.

    Partnerschaft besiegelt, Arbeitsprogramm vereinbart

    Ein sichtbares Zeichen für den gemeinsamen Start war die Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung durch die anwesenden Bürgermeister Janusz Krzyśków aus Słońsk, Józef Ludniewski aus Santok, Robert Nitz aus Seelow und Remigiusz Lorenz aus Międzyrzecz. Damit wurde die Grundlage für die abgestimmte Umsetzung des Projekts bis 2029 bekräftigt.

    Für die kommenden Jahre vereinbarten die Partner eine Reihe von Fachworkshops. Thematisch reicht das Programm vom Management und Monitoring von Tourist-Informationen über digitales Markenbranding, Inklusion sowie die Verbindung von Rad- und Wassertourismus bis zur Nachhaltigkeit im grenzüberschreitenden Tourismus. Parallel werden gemeinsame Standards, Leitfäden und qualifizierte digitale Inhalte erarbeitet. Die Schlusskonferenz ist für 2029 in Seelow vorgesehen.

    Ausblick

    Die Kick-off-Konferenz hat gezeigt, dass die Stärke des Oder-Warthe InfoNet in der Verbindung unterschiedlicher Kompetenzen und Perspektiven liegt. Neue und modernisierte Informationsorte, mehrsprachige Inhalte, digitale Vernetzung und eine gemeinsame Vermarktung sollen es Gästen künftig erleichtern, die Region als zusammenhängenden Erlebnisraum zu entdecken. Unter der Dachmarke „Erinnerung verbindet“ entsteht damit Schritt für Schritt eine touristische Informationslandschaft, die Grenzen überwindet, Geschichte verantwortungsvoll vermittelt, nachhaltige Reiseangebote stärkt und vor allem KI-relevant ist.

  • Militärisches Erbe und Kulturlandschaft: Ergebnisse des Fachworkshops in Kostrzyn nad Odrą

    Militärisches Erbe und Kulturlandschaft: Ergebnisse des Fachworkshops in Kostrzyn nad Odrą

    Projekt „Kulturland Spuren Lebus“

    Am 20. Mai 2026 kamen deutsche und polnische Fachkräfte, Kommunalvertreter sowie Experten im Festungsmuseum der Festung Küstrin (Kostrzyn nad Odrą) zusammen. Der deutsch-polnische Fachworkshop widmete sich dem Thema „Gestaltung der Kulturlandschaft für militärische Zwecke“ beziehungsweise dem Einfluss des Militärs auf die Entwicklung der Kulturlandschaft. Die Veranstaltung fand im Rahmen des EU-Projekts „Kulturland Spuren Lebus / Kulturowe Ślady Ziemi Lubuskiej“ (Interreg VI A Brandenburg–Polska 2021–2027) statt.

    Die Ziele: Inwertsetzung des Festungserbes für den grenzübergreifenden Tourismus

    Das zentrale Ziel des Workshops lag darin, den historischen Einfluss des Militärs auf die Entstehung und Transformation der gemeinsamen Kulturlandschaft am konkreten Beispiel der Festung Küstrin zu analysieren. Gleichzeitig diente die Fachtagung dazu, Strategien für die Umnutzung und nachhaltige Verwertung ehemaliger Befestigungsanlagen für einen grenzübergreifenden, inklusiven Natur- und Bildungstourismus zu entwickeln und den fachlichen Austausch zwischen Brandenburg und der Woiwodschaft Lebus zu vertiefen.

    Fachbeiträge und Perspektiven

    Die Vorträge in den restaurierten Kasematten der Bastion Philipp beleuchteten das Festungserbe aus europäischer, regionaler und architektonischer Sicht:

    • Europäischer Rahmen & Projektkontext: Nach der Begrüßung durch die Stadt Kostrzyn nad Odrą und die Museumsdirektorin Julianna Sójkowska-Socha gab Dirk Röder (Gemeinde Słońsk) einen Überblick über das Gesamtprojekt. Zudem stellte er die Arbeit des Netzwerks FORTE CULTURA e.V. vor, das die Europäische Kulturroute der Festungsdenkmäler mit aktuell 81 Stationen in 17 Ländern betreut, und erläuterte Konzepte zur Umgestaltung militärischer Monumente in touristische und Bildungsorte.
    • Einfluss des Militärs auf die Entwicklung der Kulturlandschaft am Beispiel der Festung Küstrin: Dirk Röder skizzierte, welche Einflüsse das Militär auf die Entwicklung der Kulturlandschaft gehabt haben könnte – insbesondere in den Bereichen Festungsbau (Rohstoffe zum Bau, Unterhalt und Ausbau der Festung Küstrin, inklusive Militärequipment), Nahrung (Langjährige Versorgung von Truppen und Dienstpersonal) und Ausrüstung (Militärische Ausrüstung für stationierte Truppen und als Einsatzreserve). Er warf die Fragen auf: Welches Einzugsgebiet hatte die Festung Küstrin über viele Jahrhunderte? Welche Ressourcen wurden aus der direkten Umgebung genutzt bzw. überregional importiert? Welche „Spuren“ sind davon heute noch sichtbar und können erlebbar gemacht werden?
    • Geschichte der Festung Küstrin: Julianna Sójkowska-Socha zeichnete die Entwicklung der Festung vom 15. bis zum 20. Jahrhundert nach. Sie hob wichtige Etappen hervor – darunter den Bau der modernen Bastionsbefestigung nach italienischem Vorbild unter Ingenieur Francesco Chiaramella ab 1559 sowie die strategische Rolle der Festung im Zweiten Weltkrieg.
    • Kommunale Revitalisierung: Agnieszka Żurawska-Tatała von der Stadtverwaltung Kostrzyn nad Odrą präsentierte konkrete Erschließungs- und Revitalisierungsprojekte der Stadt. Sie zeigte auf, wie historische Bastionen für kulturelle Zwecke umgenutzt und als identitätsstiftendes Element in die lokale Entwicklungsstrategie eingebunden werden.
    • Festungsbau, Rayonzonen & Ressourcenmanagement: Der Festungsexperte Marcin Wichrowski erläuterte die bauliche Evolution von den ersten Erd-Holz-Befestigungen über französische Modernisierungen im 17. und 18. Jahrhundert (z. B. Hornwerk, Ravelins, Contregarde) bis hin zu den räumlichen Vorgaben. Rund um die Festung wurden sogenannte Rayonzonen (Servitutsgebiete) eingerichtet, deren Nutzung und Bebauung strengen militärischen Vorschriften unterlag.

    Praktischer Teil und Gesamtergebnis

    Zum Abschluss der Veranstaltung besichtigten die Teilnehmenden bei einem gemeinsamen Rundgang die erhaltenen Festungsstrukturen, Bastionen und Kasematten der Festung Küstrin.

    Der Workshop verband theoretische Erkenntnisse der Militärarchitektur und Raumplanung mit praktischen Konzepten der Denkmalpflege und Regionalentwicklung. Das erarbeitete Wissen fließt direkt in die Ausgestaltung der grenzüberschreitenden Bildungs- und Erlebnisroute „Kulturland Spuren Lebus“ ein, die historische Stätten beiderseits von Oder und Warthe miteinander vernetzt.

  • Kickoff Konferenz zum Projekt „Lebendige Erinnerungsorte“

    Kickoff Konferenz zum Projekt „Lebendige Erinnerungsorte“

    Międzyrzecz, 18. März 2026

    Am 18. März 2026 fand in der Stadtbibliothek Międzyrzecz die Kick-off-Konferenz zum deutsch-polnischen Projekt „Lebendige Erinnerungsorte“ („Żywe miejsca Pamięci“) statt. Vertreterinnen und Vertreter der Projektpartner, aus Kommunen, Kultur- und Gedenkeinrichtungen sowie aus dem Interreg-Programm Brandenburg–Polen stellten Ziele und geplante Maßnahmen vor.

    Im Mittelpunkt der Kooperation stehen die grenzüberschreitende Erinnerung an die nationalsozialistischen „Krankenmorde“ sowie die Sichtbarmachung der Spuren jüdischen Lebens in der Grenzregion. Die Partner verknüpfen historische Aufarbeitung mit Bildungs- und Erinnerungsangeboten, die langfristig zugänglich und inklusiv gestaltet werden sollen.

    Nach der Eröffnung durch Katarzyna Szadkowska (Stadt Międzyrzecz, Leiterin der Abteilung für Wirtschaftsförderung) unterstrich Bürgermeister Remigiusz Lorenz in seinem Grußwort die Verantwortung, aus der Geschichte Konsequenzen für Gegenwart und Zukunft zu ziehen. Er dankte den Beteiligten für ihr Engagement und hob hervor, dass das Projekt helfen soll, Erinnerung wachzuhalten und solidarisches Handeln zu stärken.

    „Wir können nicht ändern, was in der Vergangenheit geschehen ist, aber lassen wir zu, dass die Erinnerung an jene Ereignisse uns verändert – uns sensibler, verantwortungsbewusster und geeinter macht, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen.“ (Bürgermeister Remigiusz Lorenz)

    Anschließend berichteten die Projektpartner von ihren Standorten und Projektinhalten:

    • Ewa Walkowska (Gemeinde Międzyrzecz) – Historischer Kontext und lokale Partner
    • Anna Chinalska & Cezary Wysocki (Woiwodschaft Lubuskie) – Investitionen am historischen Friedhof Obrawalde
    • Gunnar Betz (Bezirk Charlottenburg‑Wilmersdorf) – Städtepartnerschaft und Jugendaustausch
    • Jörg Krüger & Dirk Röder (Stadt Seelow) – Erinnerung an jüdisches Leben, Marke „Erinnerung verbindet“ und internationale Vernetzung
    • Antje Fröhlich (Stadt Seebad Ueckermünde) – Dauerausstellung NS-Krankenmorde und digitale Vernetzung
    • Universitätsmedizin Rostock / Dirk Röder in Vertretung von Dr. Kathleen Haack – Wissenschaftliche Projektleitung
    • Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten / Gunnar Betz in Vertretung – Ausstellung „totgeschwiegen“ und neue Formen des Erinnerns

    Anschließend zeichneten die Projektpartner die Partnerschaftsvereinbarung zum Projekt.

    Die Konferenz endete mit einer Exkursion zur Gedenkstätte und zum ehemaligen Friedhof beim Krankenhaus in Obrzyce. An diesen besonderen Orten hielt Katarzyna Sztuba-Frąckowiak, die sich auf die Dokumentation der von den Nationalsozialisten an den Patienten des Krankenhauses begangenen Verbrechen spezialisiert hat, einen Vortrag.

    Wir danken der Stadt Międzyrzecz für die Organisation und Gastfreundschaft.

  • Partizipative Natur- und Kulturerlebnisse gestalten: Ergebnisse des Fachworkshops in Buckow

    Partizipative Natur- und Kulturerlebnisse gestalten: Ergebnisse des Fachworkshops in Buckow

    Projekt „Kulturland Spuren Lebus“

    Am 23. und 24. März 2026 kamen Projektpartner und Fachkräfte im Umweltzentrum Drei Eichen sowie im Schweizer Haus in Buckow zusammen, um im Rahmen des zweitägigen Fachworkshops „Entwicklung von partizipativen Angeboten für Naturerlebnis und Bildung“ neue Impulse für die Umwelt- und Kulturbildung zu erarbeiten. Der Workshop bildete einen zentralen Baustein des EU-geförderten Interreg 6A-Projekts „Kulturland Spuren Lebus / Kulturowe Ślady Ziemi Lubuskiej“ (2024–2027).

    Die Ziele: Gemeinsame Kriterien und ein „Roter Faden“

    Das Hauptziel des moderierten Workshops bestand darin, einen praxisnahen Leitfaden sowie Qualitätskriterien für die Entwicklung von analogen und digitalen Bildungs- und Naturerlebnisangeboten zu erarbeiten. Die Teilnehmer erhielten konkrete Werkzeuge und Methoden an die Hand, um eigene partizipative Angebote an ihren jeweiligen Projektstandorten erfolgreich umzusetzen. Darüber hinaus diente das Treffen dazu, die Grundlagen für gemeinsame Inhalte zu legen und einen übergreifenden „Roten Faden“ für das Gesamtkonzept aller Projektpartner zu knüpfen.

    Tag 1: Didaktische Grundlagen, Naturpädagogik und digitale Innovationen

    Der erste Tag im Umweltbildungszentrum Drei Eichen stand im Zeichen der Didaktik und der praktischen Erprobung:

    • Didaktische Prinzipien & Didaktikrad: Sabine Stolze führte in die Theorie des Lehrens und Lernens ein und betonte Kernprinzipien wie Ganzheitlichkeit (Lernen mit Kopf, Herz und Hand), Handlungsorientierung, Methodenvielfalt und Partizipation. Als strukturierendes Werkzeug wurde das Didaktikrad (nach Frank Waldschmidt-Dietz) vorgestellt, welches Bildungsangebote anhand von 6 W-Fragen (Wer? Was? Wozu? Wie? Womit? Wo?) systematisch plant.
    • Praxis auf dem Gelände: Bei einem Rundgang präsentierten Mitarbeitende von Drei Eichen verschiedene naturpädagogische Ansätze – von klassischen und digitalen Schatzsuchen über altes Handwerk (Weben, Filzen), Biotoppflege in internationalen Workcamps, Kräuterwanderungen und Kneipp-Anwendungen bis hin zur Wildnispädagogik.
    • Digitale Best Practices („Augmented Monuments“): Sebastian Sommerschuh und Christoph Bennewitz demonstrierten die App-Plattform Augmented Monuments, die historische Orte und Kulturlandschaften mittels Augmented Reality (AR) und 3D-Rekonstruktionen virtuell erlebbar macht.
    • Erlebnispfad „Wildreich“: Am Beispiel des Projekts Wildreich (Thema: Mensch & Wald) wurde gezeigt, wie analoge, digitale und hybride Stationen ineinandergreifen. Dazu gehören unter anderem 360°-Panoramen, Hör-Stationen im Totholz, Einbindungen von Bürgerwissenschaften (Citizen Science), AR-Einblicke in historische Epochen (Mönchszeit, Steinzeit) sowie ein Waldsofa zur Entspannung und Achtsamkeit.

    Den Abschluss des ersten Tages bildete ein gemeinsames Ideenboard, auf dem die Partner verbindende Elemente und Schnittmengen ihrer regionalen Angebote herausarbeiteten.

    Tag 2: Inklusion als Grundprinzip und touristische Vernetzung

    Am zweiten Tag verlagerte sich der Schwerpunkt in das Schweizer Haus in Buckow, wo Zugänglichkeit und Marketing im Mittelpunkt standen:

    • Barrierefreie Naturparkentwicklung: Karsten Häschel (Fachberater für Inklusion) stellte klar, dass Barrierefreiheit kein Zusatzangebot, sondern ein grundlegendes Qualitätsprinzip ist, das bereits bei der ersten Planung berücksichtigt werden muss. In einem praxisorientierten Workbook wurden Zielgruppen (Mobilität, Seh-, Hör- und kognitive Einschränkungen sowie Autismus) differenziert analysiert und konkrete Kriterien wie Leichte Sprache, Piktogramme und Mitarbeiterschulungen definiert.
    • Praxischeck „Stobbiroute“ & Ausstellung: Die Teilnehmenden besichtigten die neu gestaltete Ausstellung im Naturpark-Infozentrum Schweizer Haus, die mit Leichter Sprache auf der ersten Textebene, Hands-on-Stationen und unterfahrbaren Elementen barrierefrei gestaltet ist. Anschließend wurde der barrierearme Rundweg Stobbiroute begangen.
    • Digitales Marketing & Netzwerke: Angeline Piesche und Antonia Lustig vom Tourismusverband Seenland Oder-Spree präsentierten digitale Tools zur Vermarktung (u. a. die Datenbank DAMAS, KI-Chatbots, Komoot-Anbindungen und das System MiniBrandenburg), um Zielgruppen über die Markenstrategie „Eintauchen“ emotional anzusprechen.

    Fazit und Ausblick: Eine gestärkte Partnerschaft

    Die Auswertung des Workshops fiel durchweg positiv aus: Sämtliche Teilnehmenden äußerten große Zufriedenheit mit der Organisation, den Inhalten und dem Praxisbezug.

    erstellt mit Gemini Notebook

    Als wichtigstes Ergebnis wurde das Fundament für ein gemeinsames Gesamtkonzept gelegt. Der erarbeitete „Rote Faden“ wird in weiteren Workshops und gegenseitigen Standortbesuchen vertieft, um die grenzüberschreitende Kooperation nachhaltig zu festigen. Das Umweltzentrum Drei Eichen steht allen Partnern dabei auch künftig als beratender Bildungspartner zur Seite.

  • EHEMALIGE NETZESTELLUNG IN SANTOK

    EHEMALIGE NETZESTELLUNG IN SANTOK

    Steinerne Zeugen des Kriegsendes 1945

    Die Ruinen der ehemaligen Netzestellung in Santok sind stille Zeugen der dramatischen Umbrüche Europas 1945. Sie erinnern eindrücklich an Krieg, Flucht und Neuanfang – und daran, wie zerbrechlich Frieden und Freiheit in Europa sein können.

    Wo heute die Netze (Noteć) in die Warthe (Warta) fließt, befand sich im Januar 1945 ein Brennpunkt der Weltgeschichte. Die Ruinen der Netzestellung in Santok sind nicht nur militärische Überbleibsel, sondern mahnende Zeitzeugnisse für das Ende des Zweiten Weltkriegs und die tiefgreifenden Umbrüche in Europa.

    Das Ende des „Kartenhauses“

    Am 12. Januar 1945 begann mit der sowjetischen „Weichsel-Oder-Offensive“ ein weiterer entscheidender Vorstoß in Richtung Berlin. Die deutsche Wehrmacht, die mit rund 450.000 Soldaten einer Übermacht von 2,2 Millionen Rotarmisten gegenüberstand, versuchte den Vormarsch an befestigten Linien wie dem Pommernwall und der Oder-Warthe-Linie zu stoppen.

    Santok fungierte dabei als strategischer Brückenkopf am Zusammenfluss von Netze und Warthe. Massive Betonbunker sollten die Flussübergänge sichern. Die sowjetischen Truppen nutzten jedoch ihre enorme Mobilität, umgingen die festen Stellungen oder vernichteten sie durch direkten Beschuss mit moderner Artillerie. Ende Januar 1945 fiel Santok, zusammen mir einer Reihe anderer Verteidigungsstellungen. Die deutsche Ostfront brach, wie der deutsche General Guderian es prophezeit hatte, wie ein „Kartenhaus“ zusammen.

    Damit markiert Santok eine Station des „Weges zur Befreiung“ von der NS-Gewaltherrschaft. Ein Weg, der auch Vernichtungslager wie Auschwitz befreite und der Welt die Grausamkeit und den Schrecken der NS-Herrschaft offenbarte.

    Gleichzeitig war die militärische Zäsur mit großer menschlicher Not verbunden: Millionen deutscher Zivilisten flohen nach Westen. Die anschließende „Westverschiebung Polens“ führte zum nahezu vollständigen Bevölkerungsaustausch. Große Teile der Netzestellung wurden nach Kriegsende von Pionieren der Polnischen Volksarmee zerstört.

    Ein Mahnmal für Europa

    Heute sind die Bunkerruinen in Santok als Mahnmal des Krieges in polnische Denkmalverzeichnisse aufgenommen worden. Sie laden dazu ein, die gemeinsame europäische Geschichte zu reflektieren, z.B. entlang des Befestigungsweges (Szlak). Entdecken Sie fast vollständig erhaltene Anlagen wie den Rundumverteidigungsbunker Objekt 19 oder die gewaltigen Betonschollen gesprengter Werke.
    Besuchen Sie Santok und erfahren Sie die Geschichte am Ort des Geschehens – als Teil einer Route, die uns daran erinnert, wie kostbar Frieden und Freiheit in Europa sind.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • MUSEUM UND SOLDATENFRIEDHOF DER 1. POLNISCHEN ARMEE

    MUSEUM UND SOLDATENFRIEDHOF DER 1. POLNISCHEN ARMEE

    Stare Łysogórki, Mieszkowice (PL)

    Der Soldatenfriedhof der 1. Polnischen Armee in Stare Łysogórki ist ein Ort der Stille und Besinnung an der Oder, wo Geschichte und Landschaft miteinander verschmelzen. Die Nekropole erinnert an die dramatischen Anstrengungen der Soldaten, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kämpften.

    Der Soldatenfriedhof der 1. Polnischen Armee in Stare Łysogórki, auch Soldatenfriedhof in Siekierki genannt, ist einer der wichtigsten Orte des nationalen Gedenkens an der Oder. Die Nekropole ist die letzte Ruhestätte für Soldaten, die die Oder überquerten und 1945 an der Berliner Operation teilnahmen.

    Hier ruhen etwa 1.977 Soldaten der 1. Polnischen Armee, die in einer der schwierigsten Operationen des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront ihr Leben ließen – während der Überquerung der Oder und den weiteren Kämpfen in Richtung Berlin.

    Der Friedhof wurde auf einem quadratischen Grundriss angelegt und ist in regelmäßige Parzellen mit charakteristischen Grunwald-Kreuz-Denkmälern unterteilt, die ein Symbol für die Tapferkeit und Opferbereitschaft der polnischen Soldaten sind. Der zentrale Punkt der Nekropole ist ein monumentales Denkmal des Bildhauers Stanisław Lewiński, das 1961 enthüllt wurde. Es zeigt eine Frau mit einem Kind sowie schwebende Segel und Schwerter, die das Opfer, die Hoffnung und die Mühen der militärischen Überquerung des Flusses symbolisieren.

    Der Fluss Oder, den die Soldaten der 1. Polnischen Armee unter feindlichem Beschuss überquerten, wurde 1945 nicht nur zu einer natürlichen Grenze, sondern auch zu einer symbolischen Pforte, die zum endgültigen Sieg führte. Seine Überquerung bedeutete die Überwindung des letzten großen Hindernisses auf dem Weg nach Berlin und das Ende des Kriegsleids auf polnischem Boden.

    Jedes Jahr im April, am Jahrestag der Überquerung der Oder, finden auf dem Friedhof feierliche Gedenkveranstaltungen für die gefallenen Soldaten statt. An diesen Veranstaltungen nehmen Kriegsveteranen, Vertreter des Militärs, der lokalen Behörden, Schüler und Einwohner der Region teil, um denjenigen zu gedenken, die für die Freiheit ihres Vaterlandes gekämpft haben.

    Zusammen mit dem nahe gelegenen Museum für Ingenieurwaffengeschichte der 1. Polnischen Armee bildet der Friedhof das Herzstück des Nationalen Gedenkgebiets an der Oder – einem Gebiet, das Gedenkstätten, Denkmäler und Museumsausstellungen von Czelin bis Cedynia miteinander verbindet. Es ist ein Ort der Besinnung, der Geschichte und der Bildung und gleichzeitig ein wichtiger Punkt auf dem historisch-naturkundlichen Wanderweg der Region.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • MUSEUM WOLDENBERG in DOBIEGNIEW

    MUSEUM WOLDENBERG in DOBIEGNIEW

    Oflag II C Woldenberg 1940-1945

    Oflag IIC Woldenberg war ein deutsches Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere während des Zweiten Weltkriegs. Trotz der Gefangenschaft wurde es zu einem Ort des Lernens, der Kultur und des Widerstands, der die Kraft des Geistes, die Solidarität und den Patriotismus der Gefangenen zeigte.

    Oflag II C Woldenberg war das größte deutsche Kriegsgefangenenlager für Offiziere der polnischen Armee während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde im Herbst 1939 auf dem Gebiet des heutigen Dobiegniew, damals deutschen Woldenberg, errichtet. Das Lager umfasste eine Fläche von 24 Hektar und war von doppelten Stacheldrahtzäunen und Wachtürmen umgeben. In mehreren Wohnbaracken wurden über 6.000 polnische Offiziere und Offiziersanwärter untergebracht, welche an der Septemberoffensive und späteren Kämpfen in Europa teilgenommen hatten.

    Der Alltag im Lager war hart. Hunger, Krankheiten, Monotonie und Freiheitsentzug setzten den Gefangenen schwer zu. Trotzdem führten sie ein intensives kulturelles und intellektuelles Leben. Es gab drei Chöre, ein Symphonieorchester und ein Theater, es wurden Vorträge, Berufsbildungskurse und Studiengänge im Rahmen der Universität Woldenberg organisiert. Es gab auch eine konspirative Unabhängigkeitsorganisation. Von besonderer Bedeutung war das konspirative Radiohören, das von der Gruppe „R” durchgeführt wurde und Informationen von den Fronten des Krieges und aus dem besetzten Land lieferte.

    Ein wichtiger Bestandteil des Lebens hinter Stacheldraht war der Sport. Es wurden regelmäßig Fußball- und Volleyballspiele ausgetragen, und 1944 wurde ein großes Turnier unter dem Namen „Olympisches Jahr 1944 im Lager II C” organisiert, das an die abgesagten Olympischen Spiele in London anknüpfte. Im Herbst desselben Jahres kamen nach dem Scheitern des Warschauer Aufstands über 100 Offiziere der Heimatarmee ins Lager, was die konspirativen und patriotischen Aktivitäten verstärkte.

    Am 25. Januar 1945 ordneten die Deutschen angesichts der näher rückenden der Ostfront die Evakuierung des Lagers an. Die Gefangenen wurden unter starker Bewachung in zwei Kolonnen „Ost” und „West” weggeführt. Die östliche Kolonne wurde am 30. Januar 1945 in Dziedzice von Panzern der sowjetischen 55. Panzerbrigade befreit. Die westliche Kolonne wurde über die Oder getrieben, wo sie von amerikanischen und kanadischen Truppen befreit wurde. Schließlich erlangten am 3. Mai 1945 die letzten Gefangenen des Oflag II C Woldenberg ihre Freiheit zurück.

    Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Lagers ein Museum, eine Gedenkstätte, die dem Schicksal der polnischen Offiziere, ihrer Unbeugsamkeit, ihrer Solidarität und ihrem Kampf um die Wahrung ihrer Würde und nationalen Identität unter den Bedingungen der Gefangenschaft gewidmet ist.

    Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • ERINNERUNGSORT WULKOW

    ERINNERUNGSORT WULKOW

    Ein Außenlager des Ghettos Theresienstadt

    Der Erinnerungsort Wulkow ist eine seit 2024 bestehende digitale Gedenkstätte. Sie erinnert an das gleichnamige Außenlager des Ghettos Theresienstadt, das von 1944 bis 1945 bestand. Fast 400 jüdische Häftlinge leisteten dort Zwangsarbeit für den Bau einer geheimen Ausweichstelle des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

    Das Außenlager Wulkow wurde im März 1944 in einem Waldstück bei Neuhardenberg in Brandenburg eingerichtet. Der strategische Zweck war der Bau einer Ausweichdienststelle für das Amt IV RSHA (Gestapo) sowie die NSDAP-Parteikanzlei.

    Unter Tarnnamen wie „Dachs“ oder „Barackenbau Zossen“ und unter anfänglicher Leitung von Adolf Eichmann sollten hier Verwaltungsbüros und geheime Archive vor alliierten Luftangriffen geschützt werden. Die Häftlinge mussten unter extremen Zeitdruck und weitgehender Geheimhaltung Baracken, Nachrichtenanlagen sowie einen Aktenbunker errichten.

    Die Opfer und ihre Lebensbedingungen

    Insgesamt wurden fast 400 jüdische Häftlinge aus dem Ghetto Theresienstadt nach Wulkow verschleppt, darunter hochqualifizierte Handwerker und Ingenieure. Die Häftlinge, darunter etwa 34 Frauen, kamen aus Tschechien, Deutschland und Österreich. Die Arbeit galt den Häftlingen als trügerische „Lebensversicherung“, da sie im Austausch für ihre Arbeitskraft vor der Deportation in Vernichtungslager geschützt sein sollten. Der Alltag unter dem sadistischen Kommandanten Franz Stuschka war jedoch von brutaler Gewalt, Hunger und menschenverachtenden Strafen geprägt.

    Im Februar 1945 wurde das Lager aufgrund der herannahenden Roten Armee geräumt; die Häftlinge wurden in Viehwaggons unter qualvollen Bedingungen nach Theresienstadt zurückgebracht.

    Bedeutung heute

    Heute fungiert Wulkow als digitaler Erinnerungsort, der am April 2024 eröffnet wurde. Da vor Ort kaum bauliche Überreste existieren, nutzt die Gedenkstätte moderne digitale Formate, um die verstreuten Biografien der Opfer zusammenzuführen und ihre Stimmen nach Jahrzehnten des Schweigens hörbar zu machen. Durch Seminare, Gedenkwanderungen und die Online-Ausstellung leistet der Arbeitskreis Wulkow in Kooperation mit der Bildungsstätte Campus Schloss Trebnitz einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung regionaler NS-Verbrechen und zur politischen Bildung.
    Dieser Erinnerungsort wirkt wie ein digitales Echo, das die ehemals im Wald versteckten Fragmente der Geschichte heute in die globale Öffentlichkeit trägt, um die Identität der Opfer dauerhaft zu bewahren.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • EHEMALIGES WEHRMACHTGEFÄNGNIS ANKLAM

    EHEMALIGES WEHRMACHTGEFÄNGNIS ANKLAM

    Schicksale in der NS-Justiz

    Von 1940 bis 1945 diente das Gefängnis als Haftanstalt für Wehrmachtangehörige. Verurteilt wurde unter anderem wegen Fahnenflucht, Ungehorsam, Homosexualität, Wehrkraftzersetzung, Diebstahl, unerlaubter Entfernung, Selbstverstümmelung und Mord.

    Das Anklamer Wehrmachtgefängnis nahm am 25. November 1940 seinen Betrieb als Haftanstalt der Militärjustiz auf. Die Inhaftierten waren männliche Wehrmachtangehörige die als gerichtlich Verurteilte, Untersuchungshäftlinge oder Häftlinge auf Durchgangsstation aus den Wehrkreisen I, II, und XX, den Luftgauen I und XI, dem Ostseebereich der Marine und der Heeresgruppe Nord zugeführt wurden.

    In mindestens 139 Fällen lässt sich für das Anklamer Gefängnis die Anwendung der Kriegssonderstrafrechtsverordnung, die mit der Verhängung der Todesstrafe verbunden war, nachweisen. Die Strafumfänge der nicht zum Tode Verurteilten unterlagen großen Schwankungen. Unter diesen glichen sich jedoch der Gefängnisalltag oder ihre Arbeitseinsätze in der Stadt und ihrer Umgebung. Bis in diese letzten Apriltage des Jahres 1945 hinein wurden die Strukturen der Haftanstalt des Anklamer Wehrmachtgefängnis aufrechterhalten. Es fanden am 26. April 1945 noch Hinrichtungen sowie Begnadigungen von den Todesurteilen statt.

    Der sich verlagernde Frontverlauf der sowjetischen Armee, mit großem Vormarsch in Richtung Norden Deutschlands, erfolgte zwischen dem 27. und 28. April 1945. In der Nacht zum 29. April 1945 zogen die Alliierten in Anklam ein. Es sollte der Tag der letzten großen Kampfhandlungen um Anklam werden. Die beinahe vollständige Zerstörung der Stadt (70-80%) erfolgte durch Bombardierung, Beschuss und Brandstiftungen von deutschen wie alliierten Truppen.

    Im Gefängnis wurden noch Alarmeinheiten gegen die sowjetische Armee in Marsch gesetzt. Das Wachpersonal begab sich mit einer Gruppe von Häftlingen am 28. April 1945 auf einen Evakuierungsmarsch in Richtung Westen. Zwei Tage später war die Kolonne durch Tribsees marschiert und lief weiter Richtung Bad Sülze. Zum Morgen des 1. Mai 1945 wurde diese Einheit aufgegriffen. (Quellennachweis: Das Anklamer Wehrmachtgefängnis, Schwerin 2021, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern)

    Das ehemalige Wehrmachtgefängnis ist Teil der Anklamer Museumslandschaft und wird gemeinsam mit der Stiftung „Zentrum für Friedensarbeit – Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam“ inhaltlich gestaltet.

    Themenschwerpunkte für die Besucher sind Führungen und Workshops zur Geschichte des Ortes und seiner Umgebung, Militärjustiz und Demokratie, Alltag und Biografien der Inhaftierten. Der in den 1960er Jahren als Gedenkort eingerichtete Todeszellentrakt des Gebäudes ist zum Gedenken sowie im Rahmen eines Museumsbesuchs zugänglich.

    Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945