Autor: Dirk R

  • EHEMALIGE NETZESTELLUNG IN SANTOK

    EHEMALIGE NETZESTELLUNG IN SANTOK

    Steinerne Zeugen des Kriegsendes 1945

    Die Ruinen der ehemaligen Netzestellung in Santok sind stille Zeugen der dramatischen Umbrüche Europas 1945. Sie erinnern eindrücklich an Krieg, Flucht und Neuanfang – und daran, wie zerbrechlich Frieden und Freiheit in Europa sein können.

    Wo heute die Netze (Noteć) in die Warthe (Warta) fließt, befand sich im Januar 1945 ein Brennpunkt der Weltgeschichte. Die Ruinen der Netzestellung in Santok sind nicht nur militärische Überbleibsel, sondern mahnende Zeitzeugnisse für das Ende des Zweiten Weltkriegs und die tiefgreifenden Umbrüche in Europa.

    Das Ende des „Kartenhauses“

    Am 12. Januar 1945 begann mit der sowjetischen „Weichsel-Oder-Offensive“ ein weiterer entscheidender Vorstoß in Richtung Berlin. Die deutsche Wehrmacht, die mit rund 450.000 Soldaten einer Übermacht von 2,2 Millionen Rotarmisten gegenüberstand, versuchte den Vormarsch an befestigten Linien wie dem Pommernwall und der Oder-Warthe-Linie zu stoppen.

    Santok fungierte dabei als strategischer Brückenkopf am Zusammenfluss von Netze und Warthe. Massive Betonbunker sollten die Flussübergänge sichern. Die sowjetischen Truppen nutzten jedoch ihre enorme Mobilität, umgingen die festen Stellungen oder vernichteten sie durch direkten Beschuss mit moderner Artillerie. Ende Januar 1945 fiel Santok, zusammen mir einer Reihe anderer Verteidigungsstellungen. Die deutsche Ostfront brach, wie der deutsche General Guderian es prophezeit hatte, wie ein „Kartenhaus“ zusammen.

    Damit markiert Santok eine Station des „Weges zur Befreiung“ von der NS-Gewaltherrschaft. Ein Weg, der auch Vernichtungslager wie Auschwitz befreite und der Welt die Grausamkeit und den Schrecken der NS-Herrschaft offenbarte.

    Gleichzeitig war die militärische Zäsur mit großer menschlicher Not verbunden: Millionen deutscher Zivilisten flohen nach Westen. Die anschließende „Westverschiebung Polens“ führte zum nahezu vollständigen Bevölkerungsaustausch. Große Teile der Netzestellung wurden nach Kriegsende von Pionieren der Polnischen Volksarmee zerstört.

    Ein Mahnmal für Europa

    Heute sind die Bunkerruinen in Santok als Mahnmal des Krieges in polnische Denkmalverzeichnisse aufgenommen worden. Sie laden dazu ein, die gemeinsame europäische Geschichte zu reflektieren, z.B. entlang des Befestigungsweges (Szlak). Entdecken Sie fast vollständig erhaltene Anlagen wie den Rundumverteidigungsbunker Objekt 19 oder die gewaltigen Betonschollen gesprengter Werke.
    Besuchen Sie Santok und erfahren Sie die Geschichte am Ort des Geschehens – als Teil einer Route, die uns daran erinnert, wie kostbar Frieden und Freiheit in Europa sind.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag folgt in Kürze.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • MUSEUM UND SOLDATENFRIEDHOF DER 1. POLNISCHEN ARMEE

    MUSEUM UND SOLDATENFRIEDHOF DER 1. POLNISCHEN ARMEE

    Stare Łysogórki, Mieszkowice (PL)

    Der Soldatenfriedhof der 1. Polnischen Armee in Stare Łysogórki ist ein Ort der Stille und Besinnung an der Oder, wo Geschichte und Landschaft miteinander verschmelzen. Die Nekropole erinnert an die dramatischen Anstrengungen der Soldaten, die kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kämpften.

    Der Soldatenfriedhof der 1. Polnischen Armee in Stare Łysogórki, auch Soldatenfriedhof in Siekierki genannt, ist einer der wichtigsten Orte des nationalen Gedenkens an der Oder. Die Nekropole ist die letzte Ruhestätte für Soldaten, die die Oder überquerten und 1945 an der Berliner Operation teilnahmen.

    Hier ruhen etwa 1.977 Soldaten der 1. Polnischen Armee, die in einer der schwierigsten Operationen des Zweiten Weltkriegs an der Ostfront ihr Leben ließen – während der Überquerung der Oder und den weiteren Kämpfen in Richtung Berlin.

    Der Friedhof wurde auf einem quadratischen Grundriss angelegt und ist in regelmäßige Parzellen mit charakteristischen Grunwald-Kreuz-Denkmälern unterteilt, die ein Symbol für die Tapferkeit und Opferbereitschaft der polnischen Soldaten sind. Der zentrale Punkt der Nekropole ist ein monumentales Denkmal des Bildhauers Stanisław Lewiński, das 1961 enthüllt wurde. Es zeigt eine Frau mit einem Kind sowie schwebende Segel und Schwerter, die das Opfer, die Hoffnung und die Mühen der militärischen Überquerung des Flusses symbolisieren.

    Der Fluss Oder, den die Soldaten der 1. Polnischen Armee unter feindlichem Beschuss überquerten, wurde 1945 nicht nur zu einer natürlichen Grenze, sondern auch zu einer symbolischen Pforte, die zum endgültigen Sieg führte. Seine Überquerung bedeutete die Überwindung des letzten großen Hindernisses auf dem Weg nach Berlin und das Ende des Kriegsleids auf polnischem Boden.

    Jedes Jahr im April, am Jahrestag der Überquerung der Oder, finden auf dem Friedhof feierliche Gedenkveranstaltungen für die gefallenen Soldaten statt. An diesen Veranstaltungen nehmen Kriegsveteranen, Vertreter des Militärs, der lokalen Behörden, Schüler und Einwohner der Region teil, um denjenigen zu gedenken, die für die Freiheit ihres Vaterlandes gekämpft haben.

    Zusammen mit dem nahe gelegenen Museum für Ingenieurwaffengeschichte der 1. Polnischen Armee bildet der Friedhof das Herzstück des Nationalen Gedenkgebiets an der Oder – einem Gebiet, das Gedenkstätten, Denkmäler und Museumsausstellungen von Czelin bis Cedynia miteinander verbindet. Es ist ein Ort der Besinnung, der Geschichte und der Bildung und gleichzeitig ein wichtiger Punkt auf dem historisch-naturkundlichen Wanderweg der Region.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag folgt in Kürze.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • MUSEUM WOLDENBERG in DOBIEGNIEW

    MUSEUM WOLDENBERG in DOBIEGNIEW

    Oflag II C Woldenberg 1940-1945

    Oflag IIC Woldenberg war ein deutsches Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere während des Zweiten Weltkriegs. Trotz der Gefangenschaft wurde es zu einem Ort des Lernens, der Kultur und des Widerstands, der die Kraft des Geistes, die Solidarität und den Patriotismus der Gefangenen zeigte.

    Oflag II C Woldenberg war das größte deutsche Kriegsgefangenenlager für Offiziere der polnischen Armee während des Zweiten Weltkriegs. Es wurde im Herbst 1939 auf dem Gebiet des heutigen Dobiegniew, damals deutschen Woldenberg, errichtet. Das Lager umfasste eine Fläche von 24 Hektar und war von doppelten Stacheldrahtzäunen und Wachtürmen umgeben. In mehreren Wohnbaracken wurden über 6.000 polnische Offiziere und Offiziersanwärter untergebracht, welche an der Septemberoffensive und späteren Kämpfen in Europa teilgenommen hatten.

    Der Alltag im Lager war hart. Hunger, Krankheiten, Monotonie und Freiheitsentzug setzten den Gefangenen schwer zu. Trotzdem führten sie ein intensives kulturelles und intellektuelles Leben. Es gab drei Chöre, ein Symphonieorchester und ein Theater, es wurden Vorträge, Berufsbildungskurse und Studiengänge im Rahmen der Universität Woldenberg organisiert. Es gab auch eine konspirative Unabhängigkeitsorganisation. Von besonderer Bedeutung war das konspirative Radiohören, das von der Gruppe „R” durchgeführt wurde und Informationen von den Fronten des Krieges und aus dem besetzten Land lieferte.

    Ein wichtiger Bestandteil des Lebens hinter Stacheldraht war der Sport. Es wurden regelmäßig Fußball- und Volleyballspiele ausgetragen, und 1944 wurde ein großes Turnier unter dem Namen „Olympisches Jahr 1944 im Lager II C” organisiert, das an die abgesagten Olympischen Spiele in London anknüpfte. Im Herbst desselben Jahres kamen nach dem Scheitern des Warschauer Aufstands über 100 Offiziere der Heimatarmee ins Lager, was die konspirativen und patriotischen Aktivitäten verstärkte.

    Am 25. Januar 1945 ordneten die Deutschen angesichts der näher rückenden der Ostfront die Evakuierung des Lagers an. Die Gefangenen wurden unter starker Bewachung in zwei Kolonnen „Ost” und „West” weggeführt. Die östliche Kolonne wurde am 30. Januar 1945 in Dziedzice von Panzern der sowjetischen 55. Panzerbrigade befreit. Die westliche Kolonne wurde über die Oder getrieben, wo sie von amerikanischen und kanadischen Truppen befreit wurde. Schließlich erlangten am 3. Mai 1945 die letzten Gefangenen des Oflag II C Woldenberg ihre Freiheit zurück.

    Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Lagers ein Museum, eine Gedenkstätte, die dem Schicksal der polnischen Offiziere, ihrer Unbeugsamkeit, ihrer Solidarität und ihrem Kampf um die Wahrung ihrer Würde und nationalen Identität unter den Bedingungen der Gefangenschaft gewidmet ist.

    Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag folgt in Kürze.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • ERINNERUNGSORT WULKOW

    ERINNERUNGSORT WULKOW

    Ein Außenlager des Ghettos Theresienstadt

    Der Erinnerungsort Wulkow ist eine seit 2024 bestehende digitale Gedenkstätte. Sie erinnert an das gleichnamige Außenlager des Ghettos Theresienstadt, das von 1944 bis 1945 bestand. Fast 400 jüdische Häftlinge leisteten dort Zwangsarbeit für den Bau einer geheimen Ausweichstelle des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA).

    Das Außenlager Wulkow wurde im März 1944 in einem Waldstück bei Neuhardenberg in Brandenburg eingerichtet. Der strategische Zweck war der Bau einer Ausweichdienststelle für das Amt IV RSHA (Gestapo) sowie die NSDAP-Parteikanzlei.

    Unter Tarnnamen wie „Dachs“ oder „Barackenbau Zossen“ und unter anfänglicher Leitung von Adolf Eichmann sollten hier Verwaltungsbüros und geheime Archive vor alliierten Luftangriffen geschützt werden. Die Häftlinge mussten unter extremen Zeitdruck und weitgehender Geheimhaltung Baracken, Nachrichtenanlagen sowie einen Aktenbunker errichten.

    Die Opfer und ihre Lebensbedingungen

    Insgesamt wurden fast 400 jüdische Häftlinge aus dem Ghetto Theresienstadt nach Wulkow verschleppt, darunter hochqualifizierte Handwerker und Ingenieure. Die Häftlinge, darunter etwa 34 Frauen, kamen aus Tschechien, Deutschland und Österreich. Die Arbeit galt den Häftlingen als trügerische „Lebensversicherung“, da sie im Austausch für ihre Arbeitskraft vor der Deportation in Vernichtungslager geschützt sein sollten. Der Alltag unter dem sadistischen Kommandanten Franz Stuschka war jedoch von brutaler Gewalt, Hunger und menschenverachtenden Strafen geprägt.

    Im Februar 1945 wurde das Lager aufgrund der herannahenden Roten Armee geräumt; die Häftlinge wurden in Viehwaggons unter qualvollen Bedingungen nach Theresienstadt zurückgebracht.

    Bedeutung heute

    Heute fungiert Wulkow als digitaler Erinnerungsort, der am April 2024 eröffnet wurde. Da vor Ort kaum bauliche Überreste existieren, nutzt die Gedenkstätte moderne digitale Formate, um die verstreuten Biografien der Opfer zusammenzuführen und ihre Stimmen nach Jahrzehnten des Schweigens hörbar zu machen. Durch Seminare, Gedenkwanderungen und die Online-Ausstellung leistet der Arbeitskreis Wulkow in Kooperation mit der Bildungsstätte Campus Schloss Trebnitz einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung regionaler NS-Verbrechen und zur politischen Bildung.
    Dieser Erinnerungsort wirkt wie ein digitales Echo, das die ehemals im Wald versteckten Fragmente der Geschichte heute in die globale Öffentlichkeit trägt, um die Identität der Opfer dauerhaft zu bewahren.

    Die Geschichte zum Erinnerungsort als Hörbeitrag folgt in Kürze.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • EHEMALIGES WEHRMACHTGEFÄNGNIS ANKLAM

    EHEMALIGES WEHRMACHTGEFÄNGNIS ANKLAM

    Schicksale in der NS-Justiz

    Von 1940 bis 1945 diente das Gefängnis als Haftanstalt für Wehrmachtangehörige. Verurteilt wurde unter anderem wegen Fahnenflucht, Ungehorsam, Homosexualität, Wehrkraftzersetzung, Diebstahl, unerlaubter Entfernung, Selbstverstümmelung und Mord.

    Das Anklamer Wehrmachtgefängnis nahm am 25. November 1940 seinen Betrieb als Haftanstalt der Militärjustiz auf. Die Inhaftierten waren männliche Wehrmachtangehörige die als gerichtlich Verurteilte, Untersuchungshäftlinge oder Häftlinge auf Durchgangsstation aus den Wehrkreisen I, II, und XX, den Luftgauen I und XI, dem Ostseebereich der Marine und der Heeresgruppe Nord zugeführt wurden.

    In mindestens 139 Fällen lässt sich für das Anklamer Gefängnis die Anwendung der Kriegssonderstrafrechtsverordnung, die mit der Verhängung der Todesstrafe verbunden war, nachweisen. Die Strafumfänge der nicht zum Tode Verurteilten unterlagen großen Schwankungen. Unter diesen glichen sich jedoch der Gefängnisalltag oder ihre Arbeitseinsätze in der Stadt und ihrer Umgebung. Bis in diese letzten Apriltage des Jahres 1945 hinein wurden die Strukturen der Haftanstalt des Anklamer Wehrmachtgefängnis aufrechterhalten. Es fanden am 26. April 1945 noch Hinrichtungen sowie Begnadigungen von den Todesurteilen statt.

    Der sich verlagernde Frontverlauf der sowjetischen Armee, mit großem Vormarsch in Richtung Norden Deutschlands, erfolgte zwischen dem 27. und 28. April 1945. In der Nacht zum 29. April 1945 zogen die Alliierten in Anklam ein. Es sollte der Tag der letzten großen Kampfhandlungen um Anklam werden. Die beinahe vollständige Zerstörung der Stadt (70-80%) erfolgte durch Bombardierung, Beschuss und Brandstiftungen von deutschen wie alliierten Truppen.

    Im Gefängnis wurden noch Alarmeinheiten gegen die sowjetische Armee in Marsch gesetzt. Das Wachpersonal begab sich mit einer Gruppe von Häftlingen am 28. April 1945 auf einen Evakuierungsmarsch in Richtung Westen. Zwei Tage später war die Kolonne durch Tribsees marschiert und lief weiter Richtung Bad Sülze. Zum Morgen des 1. Mai 1945 wurde diese Einheit aufgegriffen. (Quellennachweis: Das Anklamer Wehrmachtgefängnis, Schwerin 2021, herausgegeben von der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern)

    Das ehemalige Wehrmachtgefängnis ist Teil der Anklamer Museumslandschaft und wird gemeinsam mit der Stiftung „Zentrum für Friedensarbeit – Otto Lilienthal – Hansestadt Anklam“ inhaltlich gestaltet.

    Themenschwerpunkte für die Besucher sind Führungen und Workshops zur Geschichte des Ortes und seiner Umgebung, Militärjustiz und Demokratie, Alltag und Biografien der Inhaftierten. Der in den 1960er Jahren als Gedenkort eingerichtete Todeszellentrakt des Gebäudes ist zum Gedenken sowie im Rahmen eines Museumsbesuchs zugänglich.

    Die Geschichte zum Museum als Hörbeitrag folgt in Kürze.

    (Sprache: Deutsch)

    (Language: English)

    (Język: polski)


    Geschichtspfad Kriegsereignisse 1945

  • Lebendige Erinnerungsorte

    Lebendige Erinnerungsorte

    Vernetzung von dt.-pol. Erinnerungsorten für die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft, insbesondere NS-Krankenmorde; Entwicklung von Angeboten für Bildungs- und Erinnerungstourismus

    Interreg VI A Förderprojekt 2026-2028

    Das Projekt befasst sich mit der Aufarbeitung, Sichtbarmachung und Vernetzung der „Geschichte der NS-Krankenmorde“ in Międzyrzecz, Berlin und Ueckermünde sowie der „Spuren jüdischen Lebens“ in Seelow, Międzyrzecz, Berlin und Ueckermünde.

    In grenzübergreifender Kooperation werden bei den Projektpartnern überregional bedeutsame Erinnerungsorte revitalisiert bzw. neu etabliert, mit digitalen Ausstellungen ausgestattet und thematisch untereinander vernetzt. Neben nachhaltigen Investitionen in den Ausbau der Erinnerungsorte, ist die Entwicklung von grenzübergreifenden bildungstouristischen Angeboten ein Projektschwerpunkt, mit inklusiven Elementen und unter Einbezug relevanter Zielgruppen.

    Erwartet werden ein besserer Zugang zu den beteiligten Erinnerungsorten und damit zur gemeinsamen Geschichte der deutsch-polnischen Grenzregion, welche im Zusammenhang mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Westverschiebung Polens einzigartig ist.

    Wesentliche Projektoutputs

    „Geschichte der NS-Krankenmorde“

    • Grenzübergreifende Maßnahmen zum Wissensaustausch und zur Netzwerkbildung,
    • Revitalisierung des Friedhofs und der Gedenkstätte Międzyrzecz-Obrzyce,
    • Konzeption und Errichtung eines Besinnungsgarten auf dem Klinikgelände Międzyrzecz-
      Obrzyce im Rahmen eines dt.-pol. Jugendprojekts mit Auszubildenden von Garten- und Landschaftsbetrieben aus Berlin und Międzyrzecz,

      Entwicklung einer Ausstellung zur Geschichte der NS-Krankenmorde in Ueckermünde im AMEOS Klinikum,
    • Entwicklung und Verknüpfung von neuen und bestehenden digitalen Ausstellungen zur Geschichte der NS-Krankenmorde in Międzyrzecz-Obrzyce und Ueckermünde, polnische Übersetzung und Verknüpfung der Ausstellung „totgeschwiegen“ in Berlin,
    • Entwicklung zielgruppenorientierter Module für Bildungstourismus zur Geschichte der NS-Krankenmorde bei den Projektpartnern, inhaltlich vernetzt und zur grenzübergreifenden Vermarktung.

    „Spuren jüdischen Lebens“

    • Grenzübergreifende Maßnahmen zum Wissensaustausch und zur Netzwerkbildung,
    • Errichtung eines neuen Erinnerungs- und Begegnungsortes „ehemaliger jüdischer Friedhof Seelow“ am früheren Originalstandort,
    • Entwicklung von vier Rundwegen mit digitalen Elementen zu Spuren jüdischen Lebens in Seelow, Międzyrzecz, Ueckermünde und Berlin-Charlottenburg,
    • Entwicklung zielgruppenorientierte Module für Bildungstourismus zu Spuren jüdischen Lebens bei den Projektpartnern, inhaltlich vernetzt und zur grenzübergreifenden Vermarktung.

    Damit begegnet das Projekt der gemeinsamen Herausforderung, den gegenseitigen Zugang zum Kulturerbe und zu den touristischen und kulturellen Angeboten im Fördergebiet zu verbessern und die Möglichkeiten zu nutzen, die Kultur und Tourismus zum Ausbau der grenzüberschreitenden Verflechtungen bieten.

    Das Netzwerk „Erinnerung verbindet“ bietet einen geeigneten Rahmen für die Vernetzung und Verbreitung der neuen bildungstouristischen Angebote des Projekts. Das Projekt greift die Strategie der multiperspektivischen Erinnerungslandschaft Oder-Warthe auf und verdichtet das grenzübergreifende bildungstouristische Angebot für die bedeutsame Epoche des Zweiten Weltkriegs in der Region.

    Historischer Kontext

    Der grenzübergreifende Ansatz und die Notwendigkeit der Einbindung von Partnern außerhalb des Fördergebiets ergeben sich aus der Verteilung und Rolle der NS-Täterorte im ehemaligen Reichsgebiet. Menschen mit geistigen Behinderungen wurden in der ehemaligen Klinik in Berlin isoliert, selektiert und zur Tötung unter anderem in die Heilanstalt nach Meseritz-Obrawalde deportiert, wo etwa 10.000 Menschen ermordet wurden. In der Landesheilanstalt Ueckermünde wurde erstmals ein Krematorium zur Vernichtung von NS-Opfern auf einem Klinikgelände errichtet und erprobt. Im Benehmen mit der geringen Anzahl und Verteilung heutiger Erinnerungsstätten zum Komplex der NS-Krankenmorde entsteht der Bedarf, bisher ungenutzte Potenziale der Erinnerungsarbeit (Międzyrzecz, Ueckermünde) zu heben und die Geschichte im Zusammenhang erlebbar zu machen.

    Die Bewahrung der Spuren jüdischen Lebens ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe der dt.-pol. Erinnerungsarbeit. Juden waren immer wieder Verfolgung und Vertreibung ausgesetzt, zuletzt während der NS-Zeit, als die Nationalsozialisten die systematische Vertreibung und Vernichtung der gesamten jüdischen Bevölkerung betrieben.

    Die zwangsweisen Bevölkerungswanderungen im Zusammenhang mit der Westverschiebung Polens sowie politisch-ideologisch gesteuerte Erinnerungskulturen in der ehemaligen DDR und der VR-Polen führten zur Vernachlässigung vieler jüdischer Orte wie Friedhöfe und Synagogen. Es entsteht der Bedarf, Spuren zu erhalten und die Geschichte grenzübergreifend erlebbar zu machen. Dabei werden vorhandenes Wissen und Erfahrungen der Projektpartner sowie Standorte und Netzwerke außerhalb des Fördergebiets genutzt und inhaltlich verknüpft, um positive Effekte im Fördergebiet zu erzielen.

    Projektpartner

    • Gemeinde Międzyrzecz (Lead Partner)
    • Marschallamt der Wojewodschaft Lubuskie, Abteilung für Geodäsie, Immobilienmanagement und Raumplanung – Unterabteilung für Raumplanung
    • Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
    • Stadt Seelow (Mark)
    • Stadt Seebad Ueckermünde
    • Universitätsmedizin Rostock
    • Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Gedenkstätte Opfer der Euthanasie-Morde (assoziierter Partner)

    Projektlaufzeit:          01.01.2026 – 31.12.2028

  • Kulturland Spuren Lebus

    Kulturland Spuren Lebus

    Inwertsetzung der Geschichte der gemeinsamen Kulturlandschaft für grenzübergreifenden inklusiven Natur- und Bildungstourismus

    Interreg VI A Förderprojekt 2025-2028

    Seit Jahrhunderten gestaltet, kultiviert und prägt der Mensch die Oder-Warthe Region nachhaltig. Die daraus resultierende Kulturlandschaft ist ein Spiegel der Bedürfnisse, Werte und Traditionen unserer Gesellschaft. Das Projekt zielt darauf ab, die gemeinsame Geschichte der Oder-Warthe Region anhand seiner Kulturlandschaft zu erzählen, interaktiv und aus unterschiedlichen Perspektiven.

    Die historische Entwicklung der Kultivierungsmethoden und -prozesse bildet einen wichtigen Teil unserer gemeinsamen Geschichte und kulturellen Identität, deren Spuren sich in der Landschaft, in traditionellen Bewirtschaftungsformen, Gerichten, Naturprodukten u.v.m. beiderseits der heutigen Grenze wiederfinden. Die Erlebbarmachung der grenzübergreifenden Kulturlandschaft beinhaltet daher großes Potenzial, die gemeinsame Vergangenheit zu verstehen, das Bewusstsein für das gemeinsame kulturelle Erbe und die regionale Identität zu stärken sowie ein gemeinsames Verantwortungsgefühl für die künftige Gestaltung und Nutzung der Landschaft zu entwickeln.

    Das Projekt trägt dazu bei, den gegenseitigen Zugang zum Natur- und Kulturerbe und zu touristischen und kulturellen Angeboten an 6 Standorten zu verbessern, indem neue interaktive Erlebnisstationen entwickelt und grenzübergreifend vernetzt werden. Die neue Marke Kulturland Spuren Lebus (Arbeitstitel) ist Teil der touristischen Marke „Erinnerung verbindet“ Oder-Warthe.

    Die geplanten Erlebnisstationen sind: 

    • Słońsk (PL):       
      Wirken des Johanniterordens bei der Gestaltung der Kulturlandschaft,
    • Kienitz:                
      Geschichte der Parklandschaftsgestaltung am Beispiel des Gutsparks Kienitz,
    • Kostrzyn nad Odrą (PL):
      Einfluss des Militärs auf die Entwicklung der Kulturlandschaft am Beispiel der Festung Küstrin,
    • Buckow (DE):
      Wildreich – Geschichte der Waldnutzung (Wildkräuter, Pilze, Waldfrüchte und Co.),
    • Seelow (DE):
      Kulturlandnutzungen heute (nachhaltige Agrarwirtschaft, regenerative Energien, Landschaftspflege),
    • Schweizerhaus Seelow (DE):
      Naturerlebnispark zur Geschichte der regionalen Nutzpflanzen.

    An jedem Standort entstehen Natur- und Lernpfade. Partizipative Ansätze mit analogen und digitalen Elementen in mehreren Sprachen und in Einfacher Sprache ermöglichen die Wissensvermittlung auf verschiedenen Ebenen. Besucher erleben Kulturlandgeschichte und gemeinsame Traditionen an verschiedenen Standorten und aus unterschiedlichen Perspektiven in aktiver Form. Sie können traditionelle Produkte herstellen oder aktiv Umweltschutz betreiben. Ein besonderer Fokus liegt auf der Vermittlung von nachhaltigen Strategien und Methoden zur Bewahrung der Diversität der Kulturlandschaft sowie den Folgen menschlichen Fehlverhaltens auf das Klima und die Umwelt.

    Projektpartner:

    • Gemeinde Słońsk (PL), Lead Partner
    • Stadt Seelow (Mark)
    • Stadt Kostrzyn nad Odrą
    • Gemeinde Letschin
    • Verein Naturschutzpark Märkische Schweiz e.V.
    • Heimatverein „Schweizerhaus Seelow“ e.V.
    • Nationalpark Warthe-Mündung (assoziierter Partner)
    • Naturpark Märkische Schweiz (assoziierter Partner)

    Projektlaufzeit:           01.09.2025 – 31.08.2028

  • Symposium „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe Region“

    Symposium „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe Region“

    5. November 2025, Kulturhaus Küstriner Vorland (DE)

    Das Symposium „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe-Region“ befasste sich mit der komplexen deutsch-polnischen Geschichte in der Grenzregion, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Es eröffnete einen Raum für deutsch-polnischen Dialog über die tiefgreifenden Umbrüche des Jahres 1945.

    Die Region steht exemplarisch für erzwungene Migration, Verlust und Neuanfang, deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Erinnerung wird hier als Beziehung verstanden – offen, multiperspektivisch und dialogisch. Ziel ist nicht ein fertiges Narrativ, sondern die verantwortungsvolle Erzählung, die Wissenschaft und persönliche Erfahrung verbindet, junge Menschen einbezieht und Brücken zwischen Forschung, Bildung und Öffentlichkeit schlägt.

    Das Förderprojekt „Erinnerung verbindet“ schafft ein grenzüberschreitendes Netzwerk, das historische Orte sichtbar macht und Spuren bewahrt. So wird Erinnerung zu einem Prozess, der Horizonte öffnet, Verständigung ermöglicht und Zukunft gestaltet.

    Programm:

    Eröffnung:

    Robert Nitz

    Bürgermeister Stadt Seelow (Mark)

    „Geschichte bewahren – Zukunft gestalten: Begrüßung zum Symposium in der Oder-Warthe-Region“

    Die Grußrede betont die Bedeutung des Symposiums als Teil des deutsch-polnischen Projekts „Erinnerung verbindet“, würdigt die gemeinsame Geschichte und hebt die Verantwortung hervor, sich aktiv mit den Themen Vertreibung, Zwangsmigration und Kulturverlust auseinanderzusetzen. Herr Nitz unterstreicht die Relevanz von Erinnerungskultur für die Gegenwart und Zukunft, fordert Dialog und Zusammenarbeit und mahnt, aus der Geschichte für ein friedliches Miteinander in Europa zu lernen.

    Dirk Röder

    Stadt Seelow (Mark)

    Eröffnungsbeitrag Symposium „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe-Region“

    Es wird betont, dass Erinnerung ein lebendiger, gemeinschaftlicher Prozess ist. Sie setzt Mut, Respekt und Offenheit voraus und lebt von Vielfalt und Dialog. Das Symposium „Erinnerung verbindet“ fördert den Austausch unterschiedlicher Erfahrungen und Perspektiven, um Brücken zwischen Generationen und Disziplinen zu bauen. Ziel ist nicht ein fertiges Narrativ, sondern eine offene, verantwortungsvolle Erzählung der Vergangenheit.

    Panel I: Historische Einordnung

    Przemysław Słowiński

    Jakub-von-Paradyż-Akademie

    Bevölkerungsänderungen im deutsch-polnischen Grenzgebiet nach dem Zweiten Weltkrieg. Geschichte. Politik. Semantik.

    Der Zweite Weltkrieg war ein einschneidendes Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Er führte zu zahlreichen Veränderungen auf der ganzen Welt. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Verantwortung für diesen bewaffneten Konflikt beim deutschen Staat lag, und die vom Dritten Reich begangenen Verbrechen, die zum Tod von Millionen Menschen in Polen und anderen Ländern, zu einem enormen Ausmaß an körperlichen und seelischen Leiden sowie zu materiellen Zerstörungen in nie dagewesenem Ausmaß führten, Auswirkungen haben, die bis heute spürbar sind.

    Reinhard Schmook

    Oderlandmuseum Bad Freienwalde

    Flucht und Vertreibung im Oder-Warthe-Raum am Beispiel von Königsberg/Nm. (Chojna)

    Der Redebeitrag behandelt das Thema Flucht und Vertreibung im Oder-Warthe-Raum am Beispiel der Kreisstadt Königsberg /Neumark. Das schnelle Herannahen der Roten Armee Ende Januar/ Anfang Februar 1945 führte hier zu chaotischen Verhältnissen, weil die Parteibehörden eine geordnete Evakuierung der Stadt bis zuletzt verhindert haben. Was dann ab dem 4. April bis zum 23. Juni 1945 in Königsberg geschah, schildert der ortsansässige zweite Pfarrer Fritz Bliedner. Er war Mitglied der Bekennenden Kirche, einer Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation der Deutschen Evangelischen Kirche mit dem Nationalsozialismus. Die Eintragungen in seinem Tagebuch sind glaubwürdig und erhellend zugleich, um sich ein Bild von den schrecklichen Ereignissen zwischen dem Einmarsch der Roten Armee und der Vertreibung der Stadtbevölkerung machen zu können. Sie spiegeln Tod und Verderben, das Leid der verbliebenen Einwohner und letztendlich noch die weitgehende Zerstörung der Stadt mit ihren mittelalterlichen Baudenkmalen.      

    Ryszard Skalba

    Museum der Festung Kostrzyn

    Die Pionierjahre des polnischen Kostrzyn

    Die Altstadt und Neustadt Küstrins gehörten Mitte 1945 zu den am meisten zerstörten Städten im ehemaligen Deutschen Reich. Die Vertreibung der deutschen Einwohner ebnete den Weg für polnische Siedler, und die Stadt erhielt einen neuen Namen – Kostrzyn. Die ersten Siedler waren hauptsächlich Eisenbahner und Zollbeamte, die für das Funktionieren der grundlegenden Verkehrs- und Grenzstrukturen sorgen sollten. Mit der Zeit kamen Arbeiter hinzu, die am Wiederaufbau der Zellstoff- und Papierfabrik arbeiteten, wodurch das wirtschaftliche Leben wieder in Gang kam.

    Kostrzyn entwickelte sich auf dem Gebiet der ehemaligen Neustadt, indem es von Grund auf neue Gebäude und Einrichtungen errichtete. Nach und nach entstanden Ämter, Schulen und Arbeitsstätten, und die Stadt gewann zunehmend ihren polnischen Charakter.

    Tim Müller

    Eigenbetrieb Kulturbetriebe Frankfurt (Oder) Städtisches Museum Viadrina

    The lost Museum. Das Frankfurter Oderlandmuseum im einstigen Lienauhaus

    Das Schicksal der Sammlung des Frankfurter Stadtmuseums wird anhand historischer Archivquellen und Zeitzeugenaussagen nachvollzogen. Während bedeutende Kunstobjekte im März 1945 von Prof. Dr. Karpa gesichert und vermutlich außer Landes gebracht wurden, blieben weniger wertvolle Exponate zurück und wurden größtenteils zerstört. Der Verbleib zentraler Sammlungsstücke ist weiterhin ungeklärt; eine Lagerung in Potsdam oder russischen Museen erscheint möglich. Somit bleibt die Hoffnung bestehen, dass verloren geglaubte Bestände doch noch aufgefunden werden können. Die Klärung des Verbleibs der Frankfurter Sammlung erfordert weiterhin intensive Forschung.

    Agnieszka Lindenhayn-Fiedorowicz

    Eigenbetrieb Kulturbetriebe Frankfurt (Oder) Städtisches Museum Viadrina

    Ein Cranach in der Provinz – und sein Schicksal nach 1945

    Der Neudammer Altar aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. J. zählte zu den bedeutendsten Renaissance-Retabeln des Oderraums. 1562 von Herzogin Katharina von Braunschweig-Wolfenbüttel für die Stadtkirche in Neudamm (Dębno) gestiftet, gelangte er nach dem Kirchenneubau 1852 in die Dorfkirche Nabern (Oborzany). Sein Nachkriegsschicksal steht exemplarisch für die Verluste beweglicher Kulturgüter in der Oder-Warthe-Region. Die Kriegszerstörungen, der Durchzug der Roten Armee und die anschließenden Bevölkerungsverschiebungen führten zur Vernichtung, Plünderung oder Entwertung zahlreicher Kirchenausstattungen. Mit dem Bevölkerungsaustausch kam ein Konfessionswechsel: Die neu angesiedelten katholischen Polen begegneten der protestantischen Kunst oft gleichgültig oder ablehnend. So wurde auch der Neudammer Altar in den 1950er Jahren demontiert und auf den Dachboden verbannt, wo er schwere Schäden erlitt und in Vergessenheit geriet. Erst 1998 wurde er von einem Regionalhistoriker wiederentdeckt, stark beschädigt und unvollständig. 2002 erfolgte ein Abtransport zur Restaurierung – nicht in eine Fachwerkstatt, sondern in die Privatwerkstatt des Stettiner Diözesankonservators. Da der Altar nach 1945 nicht in die Denkmalliste eingetragen wurde, unterliegt er bis heute nicht staatlichem Schutz. Der Vortrag nimmt dieses Werk als Fallbeispiel, um die komplexen Nachkriegsschicksale von Kunstwerken der Region sichtbar zu machen: zwischen Kriegszerstörung, konfessioneller Entfremdung, Vernachlässigung und unsicherem Erhalt.

    Henriette Brendler

    Frankfurt (Oder)

    Gerettet, verschollen, zurückgekehrt: Die mittelalterlichen Chorfenster von St. Marien in Frankfurt (Oder)

    Die drei spätgotischen Chorfenster der St.-Marien-Kirche Frankfurt (Oder) werden nicht ohne Grund als gläserner Schatz bezeichnet. Nirgendwo in Brandenburg gibt es einen vergleichbaren Bestand an mittelalterlichen Glasmalereien; das Antichrist-Fenster gilt sogar als einzigartig. Der Beitrag stellt das Schicksal der Frankfurter Bilderbibel im Zweiten Weltkrieg in den Fokus, den Umgang mit diesem Thema in der DDR und den langen Weg von der Wiederentdeckung über die Rückführung bis hin zur Restaurierung.

    Marek Karolczak

    Myślibórz

    Materielle Verluste des kulturellen Erbes am Beispiel der Gemeinde Myślibórz (Soldin)

    Der Vortrag beschreibt die Situation in Soldin/Myślibórz im Februar 1945 nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee und präsentiert erhaltene Dokumente aus den Sammlungen des Museums des Myślibórz-Seengebiets in Myślibórz. Sie zeigen das Schicksal der Exponate, die sich in den Sammlungen des von 1928 bis 1945 bestehenden Regionalmuseums – Heimatmuseum des Kreises Soldin – befanden.

    Christian Hirte

    Museum Lebuser Land Müncheberg

    Der Bestandsverlust im Museum Lebuser Land Müncheberg 1945 ff.

    Panel II: Lokale Sichtweisen – Kulturverlust – Kulturaneignung??

    Kamila Pałubicka

    Kulturerben e.V.

    Künstlerisch-kreative Geschichtsvermittlung am Beispiel Martyriums Museum Słońsk (Sonnenburg)

    Der Ort Słońsk (ehemals Sonnenburg) steht exemplarisch für das schwierige Erbe des Nationalsozialismus. Hier befand sich eines der ersten Konzentrationslager, in dem zahlreiche politische Gefangene aus ganz Europa inhaftiert waren. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges fielen mehr als 800 Häftlinge einem geplanten Massaker zum Opfer. Die Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe und die Erinnerung an die Opfer bleiben eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.

    Der Verein Kulturerben e.V. arbeitet seit über zehn Jahren mit deutsch-polnischen Jugendgruppen an innovativen künstlerischen Zugängen zu diesem schwierigen Kapitel europäischer Geschichte. In unterschiedlichen Projekten wurden dabei performative, mediale und partizipative Ansätze erprobt, die Jugendlichen ermöglichen, sich aktiv mit Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und eigene Ausdrucksformen zu entwickeln.

    Im Rahmen der aktuellen Workshops verbinden wir historische Wissensvermittlung mit künstlerisch-kreativen Methoden. Nach einer Führung zu den zentralen Erinnerungsorten in Słońsk und einem Besuch der Museums-Gedenkstätte erarbeiten die Jugendlichen in deutsch-polnische Teams eigenständig Legefilme. Diese Technik erlaubt es ihnen, Bilder, Symbole und Texte zu kombinieren und in kurzen filmischen Sequenzen ihre Reflexionen über die Geschichte von Sonnenburg zu verdichten. Ergänzt wird die Arbeit durch Sprechtexte und Audioaufnahmen, die in eine gemeinsame Performance für die Gedenkfeier einfließen.

    So entsteht ein vielschichtiger, transnationaler Zugang zur Erinnerungskultur, der historische Faktenvermittlung mit kreativer Selbsttätigkeit verbindet und Jugendlichen ermöglicht, sich als aktive Gestalter einer lebendigen europäischen Erinnerungskultur zu erfahren.

    Thomas Drewing

    Geschichts- und Heimatverein Gusow-Platkow e.V.

    Neue Museen – der Umgang durch die Nachgeborenengeneration


    Es entsteht ein Tagungsband, der ergänzende Fachbeiträge enthält:

    Friedrich Adolph Freiherr von Dellingshausen

    Ballei Brandenburg des Johanniterordens

    Sonnenburg – 500 Jahre Zentrum der Balley Brandenburg des Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital
    zu Jerusalem

    Der Johanniterorden hat wie kein anderer die Oder-Warthe Region über Jahrhunderte geprägt und entwickelt. Vor dem Hintergrund der Ereignisse um 1945 zeigt der Text, wie der Johanniterorden auf die Folgen dieser historischen Umbrüche reagiert. Die Wiederauffindung verschollener Kunstwerke, die Sicherung von Archivalien sowie Investitionen und Aktivitäten zur Bewahrung historischer Bauwerke stehen symbolisch für die Bemühungen, verlorenes Kulturgut zurückzugewinnen und gemeinsamen Erinnerungsraum zu schaffen. Die Initiativen zur touristischen und kulturellen Wiederbelebung in Zusammenarbeit mit polnischen Partnern sind Ausdruck des Willens, die Brüche der Vergangenheit zu überwinden und einen grenzübergreifenden Dialog über das geteilte Erbe der Region zu fördern. Das Engagement des Johanniterordens dokumentiert damit nicht nur den Erhalt von Objekten, sondern auch den Versuch, Identität und Kontinuität angesichts von Verlust und Veränderung zu bewahren und gemeinsam neu zu gestalten.

    Andrzej Kirmiel

    Alf Kowalski Międzyrzecz Museum in Międzyrzecz

    Międzyrzecz und das Międzyrzecz-Land 1933–1947. Angesichts großer Veränderungen

    Der Artikel stellt die Geschichte der Einwohner von Międzyrzecz und der Region Międzyrzecz in den Jahren 1933–1947 unter dem Gesichtspunkt der nationalen Veränderungen dar. Der Autor beschreibt den Prozess, der zur Zerstörung der über Jahrhunderte gewachsenen multiethnischen Struktur der Stadt führte. Er berichtet über die Geschichte der jüdischen Gemeinde von Międzyrzecz, die als erste aus der ethnischen Landschaft verschwand, und stellt die weiteren Bevölkerungsverschiebungen dar, diesmal nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals mussten die deutschen Einwohner der Stadt und der umliegenden Dörfer ihre Häuser verlassen. Zurück blieben die Einheimischen, die polnische Bevölkerung, die wenig oder gar kein Polnisch sprach und mit der die neuen Machthaber nicht recht wussten, was sie anfangen sollten. Letztendlich wurden sie wie Ausländer behandelt, die ihren Wunsch bekundeten, in Polen zu bleiben, und wurden derselben Überprüfung unterzogen. Der letzte Teil der nationalen Veränderungen im Gebiet zwischen den Flüssen Międzyrzecz und Wisła war der Zuzug von Menschen aus Zentral- und Ostpolen sowie von Ukrainern und Lemken aus Südostpolen, die im Rahmen der 1947 begonnenen Aktion „Wisła” aus ihrer Heimat vertrieben worden waren.

    Solche Massenumsiedlungen führen zu einer Situation, in der ethnisch fremde Bevölkerungsgruppen in Gebiete kommen, in denen es zwar keine früheren Bewohner mehr gibt, aber alles um sie herum von deren langjähriger Anwesenheit zeugt. Der Autor beschreibt, was mit der materiellen Kultur der Gemeinschaften geschah, die bis 1945 in Międzyrzecz und den umliegenden Ortschaften lebten.

    Andy Steinhauf

    Verein für die Geschichte Küstrins e.V.

    Das Auffanglager Küstrin / Alt-Drewitz 1945

    Der Artikel beleuchtet die Entstehung und kurze Existenz des Auffanglagers Küstrin/Alt-Drewitz im Herbst 1945. Nach dem Befehl der sowjetischen Militäradministration zur Lenkung der Flüchtlingstrecks wurde das Lager als zentraler Durchgangsort für Vertriebene eingerichtet. Trotz massiver Zerstörungen und fehlender Infrastruktur mussten dort zeitweise bis zu 30.000 Menschen untergebracht werden. Berichte schildern chaotische Zustände, mangelhafte medizinische Versorgung, Übergriffe sowie logistische Probleme wie die „Waggonkrise“. Zwischen Oktober und Dezember 1945 wurden über 52.000 Personen durchgeschleust, bevor das Lager aufgrund unhaltbarer Bedingungen und Konflikten mit der lokalen Bevölkerung wieder aufgelöst wurde. Das Auffanglager steht exemplarisch für die Herausforderungen der Nachkriegszeit und die prekäre Lage der Vertriebenen in der Sowjetischen Besatzungszone.

    Katarzyna Sztuba-Frąckowiak

    Alf Kowalski Międzyrzecz Museum in Międzyrzecz

    Das Zusammenleben von Deutschen und Russen auf den Gutshöfen der Landeskrankenanstalt Obrawalde nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 in den Erinnerungen der Meseritzerin Dorothea Neuss

    Der Artikel handelt von Deutschen, die gemeinsam mit sowjetischen Soldaten zwei Anstaltsgüter zwischen Obrawalde und Meseritz verwalteten. Ihr gemeinsamer Kommandant war der Ukrainer Sergeant Borodauku, der während der Vertreibungen alle seine deutschen Gutsarbeiter sicher über die Oder in ihre neue Heimat brachte. Es wird auf ihre harmonische Zusammenarbeit bei der Produktion von Lebensmitteln für die sowjetischen Einheiten eingegangen. Außerdem wird das Verhältnis der Deutschen aus den Anstaltsgütern zu den polnischen und sowjetischen Behörden in Międzyrzecz thematisiert.

    Dietmar Zimmermann

    Neuhardenberg

    Neu Hardenberg wird Marxwalde

    Der Artikel beleuchtet die wechselvolle Geschichte der Ortsnamen von Neuhardenberg, von Quilitz über Neu Hardenberg bis Marxwalde und zurück. Besonderes Augenmerk liegt auf der Umbenennung zu Marxwalde 1949, deren Hintergründe, politischen Einflüsse und die Rolle der Gemeindevertretung sowie die Bedeutung von Karl Marx werden anhand von Protokollen und Zeitdokumenten nachvollzogen. Die Ereignisse zeigen, wie politische Veränderungen lokale Identitäten prägen.

    Wir danken unserem Gastgeber im Kulturhaus Küstrin-Kietz, unseren Projektpartnern und Referenten, unseren Dolmetscher*innen, unserem Fotografen Herrn Ahrendt, unserem Filmteam von Parkosmedia. Ebenfalls danken wir unserem Fördergeber sowie den aktiv Teilnehmenden des Symposiums.

    Bilder ©Stadt Seelow, Fotos Klaus Ahrendt

  • Fachworkshop „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe Region“

    Fachworkshop „Vertreibung, Zwangsmigration, Kulturverlust 1945 in der Oder-Warthe Region“

    25. Juni 2025, Kulturzentrum der Gemeinde Słońsk (PL)

    Der Workshop diente der inhaltlichen Vorbereitung eines Symposiums, welches für Anfang November 2025 in Küstrin-Kietz geplant ist. Er befasste sich mit der komplexen deutsch-polnischen Geschichte in der Grenzregion, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, und diskutierte Methoden zur Vermittlung dieser Geschichte an jüngere Generationen. Die Teilnehmer, darunter Vertreter aus Deutschland und Polen, tauschten sich über verschiedene Aspekte wie Museumsarbeit, Kulturerbe und Erinnerungskultur aus und betonten die Bedeutung einer gemeinsamen Aufarbeitung der Vergangenheit. Es wurden mehrere Projekte und Initiativen vorgestellt, die darauf abzielen, das Verständnis für die gemeinsame Geschichte zu fördern und den deutsch-polnischen Dialog zu stärken.

    Anhand von Initiativvorträgen und Erlebnisberichten wurden Erinnerungsthemen im Zusammenhang mit den Auswirkungen der Ereignisse 1945 auf die Bevölkerung beiderseits der Oder diskutiert, u.a. Westverschiebung Polens, Flucht, Vertreibung, Zwangsmigration, ideologiebasierter Wandel der deutschen und polnischen Erinnerungskulturen, Kulturverlust, Interpretation heute – Lehren für morgen.  

    In der anschließenden anregenden Diskussion wurden verschiedene Perspektiven und Themen ergänzt, darunter:

    • Raubgegenstände aus dem gesamten Polen in Gutshäusern der Region
    • „verbrannte Erde“ durch die Sowjetarmee als Rache für den Angriff und die Zerstörungen der Nazi-Deutschen zuvor
    • Empfehlung für einen Dialog deutsch-polnischer Museen, um Impulse für eine gemeinsame Aufklärung zu setzen
    • Titelwahl für das Symposium: positiv besetzen
    • „Kulturaneignungsprozesse“
    • Filme, Kultur und Kunst als Tools zur Geschichtsvermittlung
    • Empfehlung für 2 Filme zur Geschichte der Stadt Landsberg (YouTube)
    • viele persönliche Geschichten der Teilnehmer mit familiären Wurzeln in der Region.

    Letzter Programmpunkt war die Besichtigung des Martyriumsmuseums Słońsk mit ausführlicher Führung durch Prof. Smolinski. Hier berichteten verschiedene Teilnehmer auch von ihren persönlichen Erfahrungen in Gesprächen mit Zeitzeugen in ihren Familien.

  • Festungserbe Oder-Warthe Region

    Festungserbe Oder-Warthe Region

    Europa verfügt über eine reiche und vielfältige Festungsarchitektur. Sie repräsentiert die europäische Geschichte verschiedenster Epochen und ist eine ausgezeichnete Basis für spannenden Kulturtourismus.

    Die Europäische Kulturroute für das Festungserbe –FORTE CULTURA– vereint aktuell mehr als 60 Stationen in 14 Ländern. Sie wurde 2014 in Kostrzyn nad Odra (Festung Küstrin) gegründet.

    So finden sich auch in der Oder-Warthe Region zahlreiche Festungsmonumente, die auf ihre Eroberer warten. Dazu zählen mittelterliche Burgen, befestigte Burgen, das Festungssystem Küstrin oder Bunker und Verteidigungslinien des Zweiten Weltkriegs und des Kalten Krieges.

    Festungskarte Region Oder-Warthe, ©ECCOFORT

    Heute haben Festungen ihre militärischen Funktionen verloren. Sie sind Monumente voller Leben und Kultur, die von Touristen friedlich erobert werden können. Besuchen Sie Konzerte, Festivals, Reenactments, Kinderfeste, Kunstausstellungen oder Sportevents
    in Festungen, z.B. im Rahmen des Europäischen Festungssommers. Lernen Sie in Museen und virtuellen Welten die Geschichte der Festungen, ihrer Erbauer, Bewohner und Eroberer kennen. Genießen Sie großartige Erlebnisangebote entlang der europäischen Kulturroute FORTE CULTURA und insbesondere in der Oder-Warthe Region.

    Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums von FORTE CULTURA, fand in November 2024 in Kostrzyn nad Odrą ein internationaler Fachkongress mit Exkursionen statt. Zudem wurde eine Informationsbroschüre zum Festungserbe der Oder-Warthe Region veröffentlicht, gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG VI A Brandenburg – Polen 2021-2027 und des Kleinprojektefonds der Euroregion PRO EUROPA VIADRINA kofinanziert.

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